In einer anderen Welt

Eindrücke aus St. Petersburg

Nach gerade mal zwei Stunden und zehn Minuten Flug landen wir, von Hamburg kommend, in St. Petersburg. Und doch ist es eine ganz andere Welt. Uns alle hatte es ja beruhigt, als es hieß, das Hotel sei bewacht und der Raum für die Konferenz sei vom Eingang weit entfernt. Nicht wenige gute Wünsche aus Familie und Freundeskreis haben uns für diese Reise begleitet. Und dann sitzen wir mit 88 Aktivistinnen und Aktivisten  aus St. Peterburg, Moskau und den Regionen bis hin nach Sibirien in einem Konferenzsaal. Mitten in St. Petersburg, der Stadt der homophoben Gesetze, in einem großen schönen Hotel . Und schnell wird wieder in den Vorträgen, Kommentaren und Diskussionen klar, mit welch hoher Professionalität, riesigem Engagement und beeindruckendem Mut hier gearbeitet wird. Und wie nah wir uns eigentlich sind. Wie kann es sein, dass meinen russischen Nachbarn elementare Rechte verweigert werden.

Ombudsleute der russischen Adimistration das erste Mal dabei

Zum ersten Mal in der Geschichte der LGBTI- Bewegung sind vier offizielle Vertreter der russischen Administration (Commisioners for Human Rights /Ombudsleute) an der Konferenz beteiligt. Sie alle nehmen auch an dem Workshop „Cooperation with Commisioners for Human Rights “ teil. In diesem Workshop konnten in zwei „sessions“, sehr diszipliniert – und ständig russisch/englisch simultan übersetzt – eine Vielzahl von Empfehlungen erarbeitet werden. Die allererste ist, das es in jeder Region eine solche Funktion geben sollte, was bisher nicht der Fall ist. Ein regelmäßiger Bericht über die Situation von LGBTI in der Region soll zukünftig in die Berichte der Ombudsleute aufgenommen werden. Da von Seiten der russischen Ombudsleute beklagt wurde, daß praktisch keine Fälle aus dem LGBTI-Bereich an sie heran getragen würden, wird über Vertrauen zu offiziellen Funktionen und Monitoring durch die LGBTI-Community diskutiert.

Aus dem Kreise der Ombudsleute wird aber auch proaktives Vorgehen für möglich gehalten. Alle beteiligten Ombusleute sehen sich aber mit ihrer Offenheit gegenüber LGBTI-Themen  als Minderheit in der Versammlung der Ombudsleute. Und dann kommt aus dem Kreise der Ombudsleute der Vorschlag, ein „Exchange Programm“ für Ombudsleute bilateral und/oder international anzuregen. Aus der Erfahrung dieser Konferenz heraus bin ich davon überzeugt, dass bei so einem Austausch ganz sicher beide Seiten profitieren würden.

Als uns nach dieser aufregenden und gelungenen Konferenz von der Nachfrage einer deutschen Mutter berichtet wird, warum wir unsere Konferenz eigentlich nicht in den USA abgehalten hätten, da „sei es doch viel besser“, stimmen alle ein in ein erleichtertes Lachen.

 Uta Schwenke

LSVD-Bundesvorstand

 

Hirschfeld-Eddy-Stiftung

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