Homosexualität in der Familie

LSVD-Handbuch für familienbezogenes Fachpersonal erschienen

Handbuch Homosexualität in der FamilieBis heute ist das Coming-out in der Familie, vor Eltern, Partnerinnen und Partnern, Kindern und weiteren Verwandten, einer der schwierigsten Schritte. Ist er geschafft, müssen sich nun diese Familienmitglieder mit ihrem Coming-out als Angehörige auseinandersetzen. Zwar gibt es zumindest in den Großstädten Coming-out-Beratungsstellen für Homosexuelle. Für heterosexuelle Angehörige sind dagegen Selbsthilfegruppen die Einrichtungen der Familiensozialarbeit wichtige und neutrale Anlaufstellen. Allerdings werden soziale Fachkräfte in Aus‑, Fort- und Weiterbildung kaum auf Fragen der sexuellen Identität vorbereitet, geschweige denn auf die Konfrontation mit möglichen Vorurteilen der Angehörigen von Lesben und Schwulen.

In Fortbildungen zum Thema werden wenigstens zwei Aspekte als Chancen und als Schwierigkeiten zugleich deutlich, mit denen sich Fachleute der Sozialen Arbeit auseinandersetzen müssen: der Anspruch, als Fachkraft vorurteilsfrei zu sein, und die parallel bestehenden persönlichen Unsicherheiten und Stereotype über Homosexualität und ein Coming-out. Nur wenn diese beiden Felder gleichermaßen bearbeitet werden, können Angehörige von Lesben und Schwulen bei ihrem eigenen Coming-out kompetent und professionell begleitet werden.

Aus diesen Erfahrungen des LSVD-Projekts „Homosexualität und Familien“ ist unser Handbuch „Homosexualität in der Familie“ entstanden. Es wendet sich vorrangig an (werdende) Fachleute der Sozialen Arbeit, sei es in der Ehe‑, Familien‑, und Lebensberatung, Erziehungsberatung, Schulsozialarbeit oder im Jugendamt. Aber auch Selbsthilfeorganisationen sowie niedrigschwellige und weiterführende Bildungseinrichtungen wie Familienzentren und Hochschulen sind Adressaten. Das Handbuch setzt bei der Frage an, welche Bilder, Stereotype und Vorurteile für den Themenkomplex Homosexualität und Familie von Bedeutung sind und wie Stereotype und Vorurteile in der Sozialen Arbeit wirken. Nach Einführung des Konzepts Regenbogenkompetenz und Erfahrungen der Teilnehmenden aus unseren Fortbildungen und von Kooperationspartnern widmen wir uns drei Schwerpunktthemen ausführlicher: Die erste deutschsprachige Studie zu „Umgangsweisen mit einem Späten Coming-out“ wird vorgestellt. Die „Rolle ohne Skript“ von Großeltern in Regenbogenfamilien wird unter dem Aspekt der verschiedenen Herausforderungen betrachtet, die mit dem Wunsch nach Enkelkindern für Eltern von Lesben und Schwulen verbunden sind. Der Beitrag zu Homosexualität im Kontext von Migration beschäftigt sich mit der Komplexität von Fremdheitserfahrungen, wie sie nicht nur Lesben und Schwule mit Migrationshintergrund machen, sondern auch ihre Angehörigen.

Konglomerat aus drei Jahren Projektarbeit

Das Handbuch bietet einen theoretischen Rahmen zum Thema Vorurteile und Stereotype sowie Fachinformationen zu beispielhaften Familienthemen. Darüber hinaus enthält es vor allem praxisorientierte Handreichungen für Reflexionsübungen und Anregungen, wie die eigene Beratungs- oder Bildungseinrichtung sich für Fragen der sexuellen Vielfalt öffnen kann, was es braucht, damit dies für die Klientinnen und Klienten auch sichtbar und erfahrbar wird. Wir haben dafür die Erfahrungen aus fast drei Jahren Projektarbeit und ca. 80 Veranstaltungen als eine Sammlung aus Informationen, Methoden und Anregungen zur Umsetzung aufbereitet. Mit Unterstützung von Gastbeiträgen aus unserem wissenschaftlichen Beirat soll dieses Handbuch helfen, die Grundlagen der Regenbogenkompetenz in der Sozialen Arbeit mit Familien zu legen.

Das Handbuch entstand im Rahmen des vom LSVD Familien- und Sozialvereins durchgeführten Modellprojekts „Homosexualität und Familien“. Das Projekt wurde von 2011 bis 2014 vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) gefördert.

Es kann kostenfrei unter bildung-beratung@lsvd.de bestellt oder digital heruntergeladen werden unter www.homosexualitaet-familien.de

Ilka Borchardt und Heiko Reinhold,
Projekt „Homosexualität und Familien“



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