Eheöffnung und 3+

Jubiläums-CSD in Würzburg setzt Zeichen

Georg Rosenthal (OB Würzburg) und Axel Hochrein (LSVD)„10 Jahre Liebe – 10 Jahre Kampf – 10 Jahre CSD“ unter diesem Motto feierte Würzburg am letzten Juli Wochenende 2011 seinen Jubiläums CSD. Der CSD in Würzburg ist genauso alt wie das Lebenspartner- schaftsgesetz. Und auch er hat sich stetig entwickelt wie das Gesetz.

2002 war ein CSD in der katholischen Domstadt Würzburg noch ein gewagtes Unternehmen. Nachdem die CSU- Oberbürgermeisterin die Schirmherrschaft kategorisch ablehnte, übernahm das die dritte Bürgermeisterin, Marin Schäfer – Blake von der SPD. Von Beschimpfungen und Drohungen aus dieser Zeit weiß sie zu berichten. Inzwischen ist sie Ehrenmitglied des Trägervereins.

10 Jahre später: der Jubiläums Festakt findet im Ratssaal des Würzburger Rathauses statt. Schirmherr ist der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Georg Rosenthal. Seit 2008 im Amt, öffnete er als eine der ersten Amtshandlungen den historischen Trausaal für gleichgeschlechtliche Eheschließungen und übernahm sofort die Schirmherrschaft, seitdem jedes Jahr wieder.

Unter den Gästen sind Vertreterinnen und Vertreter aller Parteien, auch der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Thomas Schmidt ist dabei.  Als Gastrednerin reiste aus Berlin die Antidiskriminierungsbeauftrage des Bundes, Frau Christine Lüders an. „ardiggl drei-mir komme nei“ – war das Motto des CSD Würzburg 2009, als Unterstützung der „3+“-Kampagne des LSVD. Christine Lüders unterstützt die Ergänzung des Artikels 3.3 um den Begriff der sexuellen Identität. Das macht sie in ihrer Rede erneut deutlich.  Und nach 10 Jahren Lebenspartnerschaftsgesetz fordert auch sie die Öffnung der Ehe. „Der Staat muss dem Wunsch auf Familienbildung gleich begegnen, egal mit welcher sexuellen Identität Liebe gelebt wird. Es braucht keine Ehe zweiter Klasse für Lesben und Schwule.“

In ihren Grußworten lassen langjährige Wegbegleiter des CSD Würzburg, wie die Landtagsabgeordnete Simone Tolle oder Stadtrat Patrick Friedl, auch etwas CSD-Geschichte Revue passieren.

Oberbürgermeister Rosenthal, ein überzeugter und engagierter Kämpfer für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen, hatte lange gezögert den Aufruf der Kampagne „3+“ zu unterschreiben.  Nicht die Forderung nach Lesben und Schwule in die Verfassung ist, was ihn zögern lässt. Er befürchtet eine  Aufblähung des Grundgesetzes wenn zu viel zugefügt wird. Nach reiflicher Überlegung unterzeichnet er den Aufruf und zieht damit in die „Townhall of Fame“  des LSVD ein. Seine Frau hat das schon vor drei Jahren getan. Normalerweise ungewöhnlich für einen Festakt und auch dem ehrwürdigen Ratssaal des Würzburger Rathauses endet die Feier als Party. Neben vielen anderen tanzen auch Christine Lüders und der Oberbürgermeister mit.

Am Samstag zum CSD auf dem Marktplatz und der Parade durch die Stadt, lassen sich die Würzburgerinnen und Würzburger von ein paar Regenschauern nicht abhalten. Die Jubiläums-Parade hat eine längere Strecke als sonst, und so viel Zulauf wie nie zuvor.  Bei der Abschluss Kundgebung mit Vertretern aller Parteien auf der Bühne, ist auch der Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder der CSU dabei. Und er sorgt für die Schlagzeile der Main Post des nächsten Tages: „CSU-Abgeordneter verspricht gleiche Rechte für Homosexuelle“ ist da zu lesen. Und weiter: „Ungläubig reagiert das Publikum, etwa 300 Leute, auf CSU-Mann Lehrieder. Der sagt, Politik sei „nur gut, wenn sie gesellschaftliche Strömungen“ aufnehme. Die Gesellschaft sei liberaler geworden, aber der Weg „zum Abbau der Ungleichheiten noch nicht vollendet“. Die Regierungskoalition wolle die Benachteiligung Homosexueller noch in dieser Legislaturperiode lösen. Der Applaus ist mäßig; die Leute glauben ihm wohl erst, wenn die Gesetze beschlossen sind.“

Nach diesem Versprechen habe ich ihn gleich für den nächsten CSD in Würzburg eingeladen, damit der LSVD und der CSD überprüfen können, ob den Worten auch Taten folgen.

Organisiert wird der CSD Würzburg von der Toleranzfabrik e.V.. Die Namen dahinter sind: Markus Sieber und Stefan Schimmel, die beide auch im Landesvorstand des LSVD Bayern maßgeblich tätig sind. So ist es kein Wunder, dass der CSD Würzburg in enger Verbindung zum LSVD steht. Und  deshalb zeigt sich Stefan Schimmel  auch überzeugt: „Zusammen haben wir viel bewegt, und nächstes Jahr holen wir uns das Versprechen zur Ergänzung des Grundgesetzes!“

Axel Hochrein, LSVD-Bundesvorstand

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