Aufarbeitung der Homosexuellenverfolgung in Lettland

Forced Underground. Homosexuals in Soviet LatviaEngagement der Hirschfeld-Eddy-Stiftung ermöglichte Buchprojekt (Konferenzbericht Teil 3)

Ein Workshop der ILGA Europe Konferenz thematisierte die Homosexuellenverfolgung in Lettland in sowjetischer Zeit. Karlis Verdins vom Institut für Literatur, Folklore und Kunst der Universität Lettland, referierte über Bücher und Zeitschriften mit schwullesbischer Thematik aus der Zeit der ersten lettischen Unabhängigkeit zwischen den Weltkriegen. Die Vergewaltigung Lettlands durch den sowjetischen Einmarsch 1940 setzte diesen ersten zarten Gewächsen in der lettischen Literaturgeschichte und Publizistik ein brutales Ende. In sowjetischer Zeit gab es keine schwullesbischen Publikationen, offiziell auch keine Homosexuellen, allerdings gab es ein homophobes Strafrecht, das Schwule mit bis zu fünf Jahren Haft bedrohte. Erst nach der zweiten lettischen Unabhängigkeit und der Entkriminalisierung 1992 erschienen wieder einige schwule und lesbische Romane.

Sodann berichtete die in Lettland bekannte TV-Journalistin Rita Rudusa über die Entstehung ihres Buches „Forced Underground. Homosexuals in Soviet Latvia“. Das Buch, in dem das Leben von elf Lesben und Schwulen und einer Transfrau nachgezeichnet wird, entstand im Rahmen eines von der Hirschfeld-Eddy-Stiftung initiierten Projektes und der von EVZ-Stiftung unterstützten Konferenz „Human Rights and Homosexuality – Past, Present, Future“, die die Hirschfeld-Eddy-Stiftung und die lettische LGBT Organisation Mozaika im Juni 2010 in Riga durchführten. Rita Rudusa berichtete über die riesige journalistische Herausforderung, die diese biografische Arbeit darstellte: „Erwachsene Menschen, die sich ihr Leben lang im Schrank versteckt haben, kommen nicht von heute auf morgen aus sich heraus und erzählen einer Journalistin Details aus ihrem Leben. Die Arbeit war für mich das bislang schwieAutorin Rita Rudusarigste journalistische Unterfangen überhaupt, das ich zu meistern hatte, eine Lehre in Geduld, Beharrlichkeit und Einfühlungsvermögen.“

Das Buch wurde ein Riesenerfolg, die lettische Ausgabe ist mittlerweile vergriffen und soll zum Europride Riga 2015 wieder aufgelegt werden, eine englische Übersetzung ist erhältlich. Unzählige Leserinnen und Leser bedankten sich bei der Autorin für das Buch. Eine der Portraitierten, die Transfrau Olga, wurde sogar zu einer Berühmtheit in Lettland, ein Film wurde über sie gedreht, seither ist sie gern gesehener Gast im lettischen Fernsehen. Die Autorin und Vorsitzende Linda Freimane von Mozaika hoben die Rolle der Hirschfeld-Eddy-Stiftung hervor, ohne die das Buch nicht entstanden wäre. Auch die Konferenz vom Juni 2010 habe viele wichtige politische Initiativen angestoßen und stelle einen Meilenstein in Mozaikas Vereinsgeschichte dar.

Weitere Berichte zur ILGA-Konferenz in Riga

 

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführung

 

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