Queer Africa

QueerAfricaAfrikanische Initiativen gegen Homophobie

Sieben afrikanische Filme mit dem Themenschwerpunkt „Queer Africa – Afrikanische Initiativen gegen Homophobie“ (link) wurden am Wochenende in Köln gezeigt. „Queer Africa“ war Teil des Afrika Film Festivals, das noch bis zum 30.09. im Filmforum im Museum Ludwig läuft. Mit Zanele Muholi, Muhsin Hendricks (beide Südafrika) und Abdellah Taïa (Marokko) waren auch drei Regisseure anwesend, die ausführlich über ihre Filme sprachen und dem Publikum Rede und Antwort standen. Der LSVD war Kooperationspartner der Veranstaltung, ich moderierte die Filmgespräche und das Abschlusspanel mit den Gästen aus Afrika.

Zanele Muholi aus Johannesburg arbeitet auch als Fotografin und sie engagiert sich für die Rechte lesbischer schwarzer Frauen. Über Jahre dokumentierte sie Gewalttaten gegen lesbische Frauen und schwule Männer, darunter auch Hassverbrechen wie  “hate rape” (Vergewaltigung von lesbischen Frauen). Ihr Film „Difficult Love“ dokumentiert den Widerspruch zwischen der rechtlichen Situation von LSBTI in Südafrika und der Lebensrealität lesbischer schwarzer Frauen im heutigen Südafrika. „In den 1990er Jahren waren es schwule Männer, die Opfer von Gewalt und Hassverbrechen wurden. Heute sind es lesbische schwarze Frauen in den Townships.“

Muhsin Hendricks gilt als der erste offen schwule Imam. Zwischen 1990 und 1994 studierte er Arabisch und islamische Theologie an der Universität Karachi in Pakistan. In Kapstadt wurde er Imam, heute leitet er die NGO „The Inner Circle“. Als Seelsorger will er LSBTI mit dem Islam versöhnen, er klärt auf über religiös bedingte Vorurteile und Unkenntnis. In Köln berichtete er über seine Erlebnisse und die positiven und negativen Erfahrungen mit dieser Arbeit. Sein Film „Fitrah“ dokumentiert den Umgang muslimischer Gemeinschaften und einiger Religionsführer mit dem Thema Homosexualität und Transsexualität. Er recherchierte in Indonesien, Malaysia, Südafrika und Indien. Die Aktivistinnen und Aktivisten, die im Film zu Wort kommen, machen deutlich, dass sie nicht länger gewillt sind, die religiös motivierten Anfeindungen hinzunehmen.

Klaus Jetz (Hrschfeld-Eddy-Stiftung) und Abdellah Taïa - Foto: privatDer 1973 in Rabat geborene Abdellah Taïa lebt heute in Paris. Er war 2006 der erste marokkanische Intellektuelle, der offen zu seiner Homosexualität stand. Sein Interview in der Wochenzeitschrift „TelQuel“ löste einen Skandal und eine Diskussion über die Rechte von Homosexuellen in Marokko aus. In Köln stellte er seinen ersten Film vor. „L’Armée du Salut“ (Heilsarmee) ist eine Verfilmung seines gleichnamigen autobiografischen Romans, der seine Erlebnisse schildert als homosexueller Heranwachsender in Marokko, die sexuelle Tabus und Konflikte in der Familie, seine spätere binationale Partnerschaft mit einem Schweizer, die in Genf an den Abhängigkeitsverhältnissen und den kulturellen Konflikten zerbricht. Der Film enthält viel Sozialkritik, ist sehr poetisch und reflektiert zugleich die harte Wirklichkeit und Wahrheit über Marokko. Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Abdellah Taïa in Köln seinen Roman „Der Tag des Königs“ vorgestellt.

Über Initiativen gegen Homosexuellen und Transsexuellenfeindlichkeit in Nordafrika und im Nahen Osten berichtete auch Yahia Zaidi, Mitbegründer der algerischen LSBTI-Organisation „Abu Nawas“ und heute Co-Generalsekretär von Pan Africa ILGA (verlinken). Yahia, der in Brüssel lebt und arbeitet, organisiert jedes Jahr ein sogenanntes Mantiqitna-Camp in der Türkei, ein Treffen, wo dutzende von LSBTI-Aktivistinnen und Menschenrechtsverteidigern sich vernetzen und ihre Erfahrungen austauschen können.

 

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführer

 



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