Gemeinsame Resolution gegen Gewalt und Hassverbrechen

Foto: Ljiljana Bozovic (Labris)Ein deutscher Freund und Teilnehmer an unserer Konferenz “Die Zukunft gehört uns. LGBT-Rechte und der Weg in die EU“ wurde in der Nacht zwischen den beiden Konferenztagen überfallen und lebensgefährlich schwer verletzt.

Die Organisatoren Labris und Hirschfeld-Eddy-Stiftung zusammen mit den Mitveranstaltern Civil Rights Defenders und YUCOM haben entschieden, das heutige Programm zu ändern, um darüber zu diskutieren, was nach einer solchen Tat getan werden kann.

Wir entschieden uns dafür, mittags einen Marsch durch die Straßen von Belgrad zu organisieren, um gegen Intoleranz, Hassverbrechen und Gewalt gegen Minderheiten zu protestieren, zumal berichtet wurde, dass der Angriff einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe.

Wir rufen alle Menschenrechtsorganisationen und Antidiskriminierungsverbände und alle Menschen guten Willens dazu auf, ein starkes Bündnis zu bilden gegen Hassverbrechen, Gewalt und alle Minderheiten bezogenen Feindseligkeiten wie die in den heutigen Morgenstunden vorgefallene Gewalttat. Der Vorfall erinnert an den unseligen Fall von Brice Taton in 2009. Darüber hinaus fordern wir den serbischen Staat auf, gegen die Täter dieses Überfalls vorzugehen und ein klares Statement abzugeben gegen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und andere Vorurteile, an denen die serbische Gesellschaft leidet. Recht und Gesetz dürfen bei solchen Vorkommnissen nicht außer gelassen werden, vor allem wenn es sich um die Taten von Extremisten wie Nationalisten oder Hooligans handelt.

Heute kommt es zu Gewalttaten gegen eine Gruppe und Morgen gegen eine andere und so fort. Wir alle, ob LGBT, Roma, zu einer religiösen Minderheit gehörend, Behinderte oder einer anderen diskriminierten Minderheit zugehörig, wir alle erfahren die gleiche Gewalt, Hasspredigten und Hassverbrechen. Deshalb müssen wir zusammenstehen, um uns zu schützen und um gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten, in der alle Menschen als freie und gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger leben können.

Alle Menschen müssen sich fragen, in welcher Gesellschaft sie leben wollen: In einer Gesellschaft, in der einige Menschen mehr Rechte haben als andere oder in einer Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte und Chancen und den gleichen Schutz vor Gewalt genießen?

Die Art und Weise, in der eine Gesellschaft mit ihren Minderheiten umgeht, ist ein Lackmustest für das Maß an Demokratie, Freiheit und Offenheit, das sie genießt. Wir alle müssen stets auf der Hut und wachsam sein, um sicherzustellen, dass unsere Freiheiten, Rechte und Errungenschaften, für die wir gekämpft haben, uns nicht mit Gewalt entrissen und durch Intoleranz, Repression und Hass ersetzt werden.

Unsere Gedanken und besten Wünsche sind bei dem Opfer des Überfalls. Wir hoffen auf dessen baldige Genesung und dass es ihm bald wieder gut geht.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz “Die Zukunft gehört uns. LGBT-Rechte und der Weg in die EU“

Belgrad, 13. September 2014

Übersetzung von Klaus Jetz

Originaltext im Englischen:

Common Resolution Against Violence and Hate Crimes

A German friend and participant of our conference “The future belongs to us: LGBT rights on the road to the European Union” was attacked and seriously injured the night between the two conference days. The attack left him in life threatening condition.

The organizers Labris and Hirschfeld-Eddy Foundation along with co-organizers Civil Rights Defenders and YUCOM decided to change today’s conference programme to focus on moving forward after such an event.

We decided to organize a protest march in the streets of Belgrade at noon against intolerance, hate crime and violence against minorities, since the attack is speculated to have been xenophobic.

We call upon all human rights, anti-discrimination, civil society organizations, and all people of good will to build a strong alliance against hate crime, violence and any kind of minority related hostilities such as the attack witnessed in the early hours today. This incident echoes back to the unfortunate case of Brice Taton in 2009. Further, we ask that the Serbian state act against the perpetrators of this attack and to speak out against xenophobia, homophobia, and other prejudices that plague Serbian society. The rule of law cannot be sidelined when such things occur, especially from extremists such as nationalist and hooligans.

Today was violence against one group and tomorrow it will be to another, and so on. We all, whether LGBT, Roma, religious minority, disabled, or from other discriminated groups, experience the same violence, hate speech and hate crimes and we have to stand together to protect ourselves and to cooperate for a brighter future where all people can live as free and equal citizens.

Every human being has to ask themselves in which society they want to live: In a society where some people have more rights than others or in a society where everyone has the same rights, the same chances and the same level of protection against violence?

The way a society deals with its minorities is a litmus test for its level of democracy, liberty and openness. We all have to be constantly cautious and attentive to make sure that the freedom, the rights and the liberties we have fought for are not attacked, taken away and replaced by intolerance, repression and violence.

Our thoughts and best wishes are with the victim of the attack, and we hope for his speedy recovery and well being.

The participants of the conference “The future belongs to us. LGBT rights on the road to the European Union”

Belgrade, 13 September 2014

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