LSVD kickt gegen Rechts

Für ein offenes und demokratisches Dresden

Foto: LSVD Sachsen

Am 1. Juli 2009 wurde Marwa el-Sherbini im Dresdner Landgericht ermordet. Sie war
als Zeugin geladen, um zu berichten, wie der Angeklagte sie 2008 wegen ihres Kopftuchs auf einem Spielplatz rassistisch und islamfeindlich beleidigt hatte. Als die 29jährige Ägypterin nach ihrer Aussage den Gerichtssaal verlassen wollte, wurde sie vom Angeklagten attackiert und erstochen. Ihr ebenfalls anwesender Ehemann eilte ihr zur Hilfe und wurde durch drei Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Zudem wurde er von einem Polizisten angeschossen, der ihn für den Angreifer hielt. Der Mord an Marwa el-Sherbini schockierte, gleichzeitig ignorierten Medien und Politik den islamophoben Hintergrund weitgehend. Einig war man sich jedoch darin, ihrer zu gedenken und mehr für eine offenere Gesellschaft zu tun.

Gegen Rassismus und Homophobie

Doch die Benennung einer Straße nach Marwa el-Sherbini fand im Stadtrat keine Mehrheit. Das angemahnte Engagement gegen Rassismus wurde allenfalls halbherzig verfolgt. So sieht es jedenfalls eine Dresdner Initiative, die seit 2012 das „Kick racism“, ein antirassistisches Fußballturnier in Gedenken an Marwa el-Sherbini, veranstaltet. Der Ausländerrat Dresden, der Dresdner Sportclub und der Verein Raddix wollen mit diesem Turnier auf alltäglichen Rassismus und andauernde Ausgrenzung aufmerksam machen: „Wir wollen nicht einfach so weitermachen. Wir wollen Marwa el-Sherbini nicht vergessen. Täglich werden in Dresden Menschen diskriminiert, beleidigt, angegriffen und verfolgt. (…) Jedes Wochenende gehören rassistische, antisemitische, homophobe, sexistische, chauvinistische Hetzgesänge und Beleidigungen zum Repertoire der ‚Fangesänge’ und sind auch auf dem Platz keine Seltenheit.“ Von Anfang an wendeten die drei Organisationen sich mit dem Turnier ausdrücklich gegen jedwede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung. Über den Fußball sollen so viele Menschen wie möglich sensibilisiert und motiviert werden, sich für bunte Stadien und eine bunte Gesellschaft einzusetzen.

Neben Mannschaften wie Sportakuss Bunt, SpVgg Kräuter Fort, FC Beate Rehagel gehört auch der LSVD Sachsen zu den 24 teilnehmenden Teams. Landesvorstand Simon Günther erzählt: „Ich fand es eine super Idee, daran teilzunehmen und so auch mit dem Thema Homophobie präsent zu sein. Da wir als LSVD Sachsen kein eigenes vollständiges Team stellen konnten, habe ich die Leute vom Kulturverein Panoptikum gefragt, ob sie mit für uns antreten. Die sagten sofort zu. So besteht das Team LSVD Panoptikum also auch aus vielen Heterosexuellen.“ In den LSVD-Farben rot und weiß spielte mit Willi Richter bereits sogar ein ehemaliger Fußballer des Dynamo Dresden. Nicht nur Lesben und Schwule engagieren sich also gegen Homophobie und für den LSVD.

Während des Turniers rücken mit Ausstellungen und Infostand Rassismus, Homophobie, Sexismus und Antisemitismus in den Fokus, sowohl in Fußballstadien als auch im Alltag. Verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen können sich vernetzen und auch außerhalb des Sports gemeinsam für ein offenes und demokratisches Dresden streiten.

Wenn am 5. Juli 2014 wieder Anpfiff im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion ist, geht auch der LSVD Panoptikum erneut an den Start. Bislang stehen zwei vierte Plätze in der Bilanz. Doch bei Sachsens buntestem Turnier gewinnt vor allem eins – die Vielfalt.

Markus Ulrich, Bund-Länder-Koordinator

email

Tags: , ,