Kick-off in Südafrika

 Masakhane – Das Subsahara Projekt zur Allianzenbildung

Dawn Cavanagh (Coalition of African Lesbians) - Foto: Caro KadatzKick-off in Südafrika: Das vom LSVD gemeinsam mit filia.die frauenstiftung auf den Weg gebrachte Projekt Masakhane (Zulu für: Let us build each other) zur Stärkung von Lesben und Transgender in Subsahara-Afrika ist nach einem großartigen Kick-off-Workshop in Johannisburg am Start. Ziel des Projekts ist die Stärkung der zivilgesellschaftlichen Handlungsfähigkeit und Allianzenbildung im Kontext sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität. Diese große Aufgabe wird von unserer Projektpartnerin, der Coalition of African Lesbians (CAL), getragen und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt.

Power und Professionalität

Ausgestattet mit dem umfangreichen Programm des Workshops, der Aufforderung sich am Flughafen nur dem von CAL bestellten Fahrer anzuvertrauen, den zweiseitigen „safety and security notes“ und einer Stichwortliste für die Besprechungen machten wir uns auf den Weg. Für Sonja Schelper und mich, die Projektleiterinnen von deutscher Seite, ist es die erste persönliche Begegnung. Wir haben bisher nur über Skype und E-Mail mit den Projektpartnerinnen kommuniziert. Das Treffen findet in einem Tagungshotel 60 km außerhalb von Johannesburg statt, komplett hinter Mauern, die auch noch bewacht werden. Hier erwartet uns ein perfekt organisierter Workshop, an Power und Professionalität kaum zu überbieten. Insgesamt sind wir etwa 50 Personen: Die Aktiven aus den Organisationen der beteiligten Projektländer Botswana, Sambia, Namibia, Simbabwe, das CAL-Team aus Südafrika und das 5-köpfige Dokumentationsteam von Gay and Lesbian Archives (GALA). Ganz überwiegend engagieren sich die Beteiligten in ihren Ländern unter hohem persönlichen Risiko, denn in vielen Ländern wird „mit Homophobie Politik gemacht“, wie es so treffend in einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung heißt. Unter welchen teilweise prekären Lebensumständen die einzelnen Aktivistinnen und Aktivisten arbeiten und wie dabei auch mit den eigenen Gewalterfahrungen umgegangen wird, davon handelte der erste Tag dieses achttägigen Workshops.

Sicherheit für Person und Organisation

Mit den zwei Grundsatzthemen „shaping the campaign“ und „safety and security“ standen die Bildung einer gemeinsame Herangehensweise für die zu entwickelnde übergreifende Kampagne sowie die Grundsätze der Sicherheit der eigenen Person und der Projekte im Vordergrund. Ausgangspunkt war die gemeinsam entwickelte grundsätzliche politische Analyse zur Bedeutung von Vorurteilen, Diskriminierung, Marginalisierung, Machtverhältnissen und Verortung von Macht. Darauf aufbauend wurden im weiteren Verlauf des Workshops die Bedürfnisse der unterschiedlichen Länder für eine gemeinsame Kampagne diskutiert. Der Workshop verfolgte dabei gleichzeitig auch einen übergreifenden Ansatz mit Beteiligung von Organisationen, deren Schwerpunkt die Arbeit mit sex-workers, Transgender, HIV-Positiven ist. Die beiden letzten Tage waren der Schulung durch einen professionellen Consultant mit dem Focus Sicherheit gewidmet. Dabei meint Sicherheit immer die der Personen und der Organisation. Es wurde an allen Tagen mit einer unglaublichen Energie und Disziplin, mit viel Kreativität und Empathie und vor allem hoch professionell und konzentriert durchgearbeitet.

Die meisten der Beteiligten sind bereits seit vielen Jahren in der Menschenrechtsarbeit national und international aktiv und hatten hier die Gelegenheit sich auch persönlich kennen zu lernen. Die Zusammenarbeit für eine solche länderübergreifende Kampagne stellt eine große Herausforderung dar.
Sehr erfolgreich war auch der zusammen mit Dawn Cavanagh, der Direktorin von CAL, wahrgenommene Termin in der deutschen Botschaft. Es entwickelte sich schnell ein spannendes Gespräch, in dem von beiden Seiten bereits eine ganze Reihe von Möglichkeiten der Zusammenarbeit entwickelt wurde. Der Kontakt zwischen der Coalition of African Lesbians als einer Organisation aus der Mitte der südafrikanischen Zivilgesellschaft und den Mitarbeitenden der deutschen Botschaft wurde von beiden Seiten ausdrücklich begrüßt. Cavanagh schilderte den Botschaftsangehörigen sehr eindrücklich die trotz der guten rechtlichen Situation sehr schwierige Lebenssituation von Lesben in Südafrika, die sehr unter Gewalt und Kriminalität leiden. Gefragt nach ihrem eigenen Risiko antwortete sie: „Ich bin privilegiert. Ich habe ein Auto, und ich habe ein Haus. Die wenigsten von uns können das von sich sagen.“

Uta Schwenke, LSVD-Bundesvorstand

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