Trans*Familien

Jonas Björklund und Silvano Barbieri (Universität Hamburg)Studie zu Einfluss der Transition auf die Familienbeziehungen

Wie reagiert die Familie auf das Trans-Coming-out eines Elternteils? Wie gehen die Kinder damit um? Welche Auswirkungen hat die Transition auf die Partnerschaft, die Eltern-Kind-Beziehungen und das gesamte Familiengefüge? Welche Herausforderungen und Konflikte gibt es mit Verwandten und im weiteren sozialen Umfeld? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Studie „Familiendynamik und Kinder von Trans*Menschen“, die mit Unterstützung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie der Transmann-Selbsthilfegruppe Hanse-X-Men in Hamburg durchgeführt wird. Silvano Barbieri und Jonas Björklund gehören zu den Studierenden, die dieses Forschungsvorhaben angestoßen haben. Sie hoffen, dass die Ergebnisse u.a. zu besseren und passenderen Unterstützungsangebote für Familien führen, in denen ein Mitglied eine Transition durchlebt.

Denn bislang gibt es kaum Daten über den Umgang mit der Transgeschlechtlichkeit eines Elternteils innerhalb der Familie. Eine Studie, die alle Familienangehörigen befragt, fehlt gänzlich. So wollen Barbieri und Björklund mit einem Onlinefragebogen sowie qualitativen Interviews auch die Perspektiven und Erfahrungen aller Beteiligten analysieren. Sieben Familien konnten bereits für die Studie gewonnen werden, doch weitere Teilnehmende werden noch gesucht.

Auf der Dritten Europäischen Regenbogenfamilienkonferenz Anfang Mai stellten die beiden bereits erste Ergebnistendenzen vor. Danach beeinflusst die Sorge um die Kinder die Transition. Dabei lässt sich aber sagen, je jünger die Kinder, umso weniger Schwierigkeiten haben sie damit umzugehen. Gleichwohl erleben die Kinder das Trans-Coming-out und die Transition häufig als Verlust eines Elternteils und haben einen hohen Informationsbedarf, der durch die vorhandenen Beratungsangebote kaum abgedeckt wird. Das weitere Verhältnis zwischen Kind(ern) und Elternteil ist stark von der Reaktion des anderen Elternteils abhängig. Knapp die Hälfte der Paare bleibt auch nach der Transition zusammen und lebt „auf einmal“ in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Trotzdem wird der Partner oder die Partnerin einer Transperson in der Forschung und therapeutischen Begleitung weitgehend vernachlässigt. Barbieri und Björklund wollen das ändern, denn eine Transition verändert die ganze Familie und ihr Gefüge.

Kontakt: info@trans-familien-studie.de

Markus Ulrich
LSVD-Bundesverband

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