Pride & Prejudice

Homosexualität und Religion in Afrika

In der letzten November-Woche hatte die Hirschfeld-Eddy-Stiftung erneut zwölf Aktivistinnen und Aktivisten aus Afrika zu Gast. Schwerpunkt der Besuchsreise war das Thema Homosexualität und Religion in Afrika. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes konnten wir den Gästen auch in 2013 wieder eine ganze Woche voller interessanter Workshops, Gespräche und Kontakte bieten. Höhepunkte des Besuchsprogramms waren Gespräche mit hiesigen Kirchenvertretern sowie eine halbtägige Konferenz im Auswärtigen Amt mit dem Titel „Pride & Prejudice – Homosexualität und Religion in Subsahara-Afrika“.

Hier hatten die afrikanischen Gäste Gelegenheit, umfassend über die Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LSBT) in ihren Ländern und über ihre Arbeit zu berichten. Alle sprachen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und der enormen Tabuisierung von Sexualität in Afrika. Zudem berichteten die Gäste von der tief verwurzelten religiös motivierten Homo- und Transphobie in ihren Ländern.

Dr. Sebastian Müller vom Deutschen Institut für Menschenrechte sprach über das Thema „Religionsfreiheit und Menschenrecht unabhängig von sexueller Orientierung: Kongruenz oder Dilemma?“ Der Menschenrechtsexperte für das Thema Religionsfreiheit betonte, dass beide Menschenrechte, Religionsfreiheit und freie Entfaltung der Persönlichkeit, miteinander in Beziehung stehen, dass das eine Menschenrecht nicht über dem anderen stehe, sondern vielmehr die Menschenrechte ganzheitlich zu begreifen sind. Die Gäste aus Südafrika, Ruanda, Nigeria, Kamerun, Malawi, Uganda, Simbabwe, Sambia und Ghana hoben allesamt hervor, dass es bislang unmöglich sei, mit ihren heimischen Politikerinnen und Politikern oder Kirchenvertretern ins Gespräch zu kommen. Auch deshalb sei die Besuchsreise wichtig, denn in Deutschland habe man diesen kritischen Dialog mit den Kirchen geführt. Die verschiedenen Gespräche hätten deutlich gemacht, dass es eine gemeinsame Basis gebe: Herabwürdigung und Ausschluss von LGBT aus den Kirchen sei nicht hinnehmbar, Kirchenvertreter dürften die Menschen nicht wegen ihrer sexuellen Identität verurteilen.

Es gelte, die positiven Stimmen in den Kirchen zu stärken. Zudem müsse die Wissenschaft das vorkoloniale Afrika und den damaligen Umgang mit Homosexualität in den Vordergrund stellen, damit dem Argument, Homosexualität sei unafrikanisch, mit einem starken Gegenargument entgegnet werden könne. Auch war man sich darin einig, dass den Kirchen in Deutschland eine Vermittlerrolle zwischen den afrikanischen Kirchen und afrikanischen LSBT zukommen könne. Oder wie es ein Teilnehmer formulierte: „Das nächste Mal sollten auch afrikanische Kirchenführer eingeladen werden, damit sie von den deutschen Religionsgemeinschaften etwas lernen können. Ich habe jedenfalls viele Dinge gelernt: Wie LSBT mit den Kirchen in Deutschland arbeiten und wie ich meine Kirchenführer für LSBT-Themen sensibilisieren kann. Das ist wichtig, weil die Kirchen eine Schlüsselrolle in der Politik unserer Länder einnehmen.“

Klaus Jetz, LSVD-Geschäftsführer

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