Sichtbarkeit ist auch ein Risiko

Stärkung von Lesben und Transgender in Subsahara-Afrika

Womens Leadership Center in NamibiaVor neun Jahren, im März 2005, ging die „Koalition afrikanischer Lesben“ das erste Mal an die Öffentlichkeit. Aktive aus dem Kontext der Frauenbewegung, aus Lesben- und Transprojekten sowie der Arbeit für sexuelle und reproduktive Rechte hatten zwei Jahre darauf hingearbeitet. Eine Frau fehlte: Fannyann Eddy aus Sierra Leone. Sie, die vor dem UN-Menschenrechtsrat gefordert hatte, lesbische Frauen in Afrika nicht zu vergessen, war kurz zuvor brutal ermordet worden.

„Der Sichtbarkeit und Gleichheit von lesbischen Frauen verpflichtet“, so heißt es in dem Gründungspapier der Coalition of African Lesbians (CAL). Mehr Sichtbarkeit – weltweit können sich lesbische Frauen schon mit ein paar Sätzen über diese politische Zielsetzung verständigen. Aber in vielen Ländern der Welt ist Sichtbarkeit auch eine große Gefahr.

Das gilt selbst für Südafrika, das einzige Land in Afrika, das allen Menschen unabhängig von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität die gleichen Rechte garantiert. So berichtet Dawn Cavanagh (Leiterin des Afrika-Büros von CAL in Südafrika) von dem Weg eines Mädchens aus Johannesburg, das als lesbisch geoutet ist und das auf seinem Weg zu Schule beschimpft und bedroht wird. So lange, bis es sich nicht mehr traut zur Schule zu gehen. Wie viele von diesen Mädchen, fragt Dawn, machen dann ihren Abschluss? Wie viele, die trotzdem einen Schulabschluss machen, finden dann einen Job? Eine Wohnung? Kann sich eine lesbische Frau frei bewegen? Erfährt sie Unterstützung, durch die Familie, das Gesundheitssystem? Wir sind erst am Ziel, wenn es gelingt, die Menschen vor direkter Gewalt zu schützen und Unterstützung zu gewährleisten. Die Frauen von CAL engagieren sich dafür, dass das im südlichen Afrika Realität wird. CAL hat schon Großartiges geleistet: Am 17. Juni 2011 verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat die erste Resolution zu sexueller Orientierung und Gender-Identität. Durch intensive Hintergrundarbeit konnte CAL die Südafrikanische Regierung dafür gewinnen, die Resolution führend voranzubringen. Auf Videos dieser Sitzung ist zu sehen, wie afrikanische und islamische Delegierte den Saal scharenweise unter Protest verlassen.

Neues Projekt der Hirschfeld-Eddy-Stiftung

In enger Zusammenarbeit mit Dawn Cavanagh und der Frauenstiftung filia haben LSVD/ Hirschfeld-Eddy-Stiftung 2013 ein Projektkonzept entwickelt, in dessen Fokus die Stärkung und die Vernetzung von lesbischen Frauen und Transgender in Subsahara-Afrika steht. Das Projekt überzeugte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, es bewilligte  490.000 €, weitere 49.000 € bringt filia.die frauenstiftung ein. Die Summe ermöglicht eine dreijährige Projektarbeit in den Ländern Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe mit einem Projektmanagement von Südafrika aus.

LSVD/Hirschfeld-Eddy-Stiftung und filia teilen sich die Projektleitung, denn da ist viel zu tun, von der Abstimmung mit dem Ministerium über die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt bis hin zur konkreten Kontrolle der Mittelverwendung. Das Projektmanagement vor Ort liegt in Johannesburg bei unserer Projektpartnerin CAL und Dawn Cavanagh. Im März 2014 beginnt der Kick-Off Workshop in Johannesburg.

 

Uta Kehr
Hirschfeld-Eddy-Stiftung

Uta Schwenke
LSVD

Sonja Schelper
filia. die frauenstiftung

Stichwort: filia.die frauenstiftung

filia.die frauenstiftung ist die einzige deutsche Gemeinschaftsstiftung, die weltweit Frauenprojekte fördert.

filia verwandelt Geld in Aktivitäten von Frauen und Mädchen für Frauen und Mädchen.

Mit allen Förderungen sind wir besonders den Frauen und Mädchen verpflichtet, die mehrfache Diskriminierung erfahren. In Südafrika unterstützte filia die Proteste, die den Prozess zum Mord an der lesbischen Fußballerin Eudy Simelane begleiteten.

www.filia-frauenstiftung.de

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