Umpolungsseminar in Sachsen

CDU-Stadtrat zeigt reges Interesse

Im November vergangenen Jahres veranstaltete der Akademikerzweig der Studentenmission Deutschland im vogtländischen Pausa die Regionaltagung „Homosexualität verstehen“. Versprochen wurde eine Beratung von „kompetenter Seite“ zu der Frage, wie christliche Menschen mit Lesben und Schwulen sowie „deren Lebensformen“ umgehen sollten. Dazu eingeladen war Dr. Christl Vonholdt, umtriebige Befürworterin von Therapien gegen Homosexualität. Der LSVD Sachsen war alarmiert und fand sich ebenfalls im Tagungsraum des vom Diakoniewerk betriebenen Altenpflegeheims Pausa ein.

Wiedersehen mit CDU-Stadtrat Blechschmidt
Dort trafen wir unter den rund 70 Teilnehmenden auf einen alten Bekannten. CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt gab sich äußerst wissbegierig. Blechschmidt hatte in der Vergangenheit für Empörung gesorgt, als er Lesben und Schwule als „krank“ bezeichnete. Nach der Vorstellung von Dr. Vonholdt als „Fachfrau für Homosexualität“ fragte er, wie er seine Ansichten zukünftig äußern könnte, ohne dass Betroffene sich beleidigt fühlen. Vonholdt bestärkte ihn und betonte, dass man mit der Wahrheit manchmal anecken würde. Homosexualität sei eine „seelische Störung“ und Folge sexuellen Missbrauchs, Verführung und frühkindlicher emotionaler Bindungsverletzungen. Es gäbe therapeutische Angebote von ihrem Institut für Jugend und Gesellschaft, mit denen Lesben und Schwule ihre Homosexualität „überwinden“ könnten.

Als wir darauf hinwiesen, dass die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität seit langem nicht mehr als Krankheit aufführt, bedauerte Vonholdt dies als „unwissenschaftlich“. Gleichzeitig verschwieg sie, dass sie innerhalb der Fachwelt isoliert ist und in wissenschaftlichen Einrichtungen nicht erwünscht. Die Bundesregierung lehnt homoheilerische Therapien ebenfalls als gefährlich und unseriös ab. Natürlich erwähnte Vonholdt auch nicht, dass die angeblich Geheilten anschließend häufig wieder „rückfällig“ werden. In ihren Informationsmaterialien blieb auch die Bezugnahme auf die Studie von Robert Spitzer problematisch. Der Psychiater hat sich inzwischen von seinen Ergebnissen ausdrücklich distanziert. Trotzdem zeigten sich anwesende Fachkräfte der evangelischen Jugendarbeit, Therapeutinnen und Ärzte erschreckenderweise begeistert. Sie nutzten den Nachmittag um gemeinsam zu beraten, wie homoheilerische Angebote gegenüber Krankenkassen abzurechnen sind. Offensichtlich werden in Sachsen solche Therapiekonzepte angeboten. Hier werden Krankenkassen betrogen, therapeutische Standards missachtet und die Würde der Patientinnen und Patienten massiv verletzt.

Eine gefährliche Verstrickung
Der LSVD Sachsen hat die sächsische CDU aufgefordert, sich von ihrem Mitglied Blechschmidt zu distanzieren. Landesregierung und Berufsverbände müssen diesen gefährlichen Therapieangeboten entgegentreten. Aufklärung und Akzeptanzkampagnen verhindern, dass verunsicherte Lesben und Schwule in die Fänge dieser Scharlatanerie geraten. Es ist unglaublich, dass Einrichtungen des Diakonischen Werks Vonholdt ein Podium geben. Die Evangelische Kirche darf ihr und ihrem Institut nicht länger freie Hand lassen. Die Tagung war ein Paradebeispiel für eine weltweit zunehmende christlich-fundamentalistische Homosexuellenfeindlichkeit. Vonholdt selbst tritt im osteuropäischen Ausland auf. Sie praktiziert in Südafrika und ihre Offensive Junger Christen ist aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit. Eine gefährliche Verstrickung.

Hartmut Rus
LSVD Sachsen und LSVD-Projekt Mission Aufklärung

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