90 Minuten gegen Homophobie

Soccer Sound - www.berlin.lsvd.deSchwule und Lesben sollen im Sport ganz selbstverständlich leben können – dafür macht sich das Projekt „Soccer Sound“ stark. Ein wichtiger Schritt für uns war dabei die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit dem Berliner Fußball-Verband (BFV) im Januar 2011. Darin heißt es: „Der BFV und der LSVD Berlin-Brandenburg wollen gegen die Homosexuellenfeindlichkeit in Berlin gemeinsam vorgehen.“ Um Vorbehalten gegenüber Homosexuellen in der Berliner Fußballszene etwas entgegenzusetzen, sind gemeinsame Podiumsdiskussionen und die Entwicklung von Informationen zum Thema verabredet.

Sehr hilfreich war auch der Brief des BFVPräsidiums.Darin empfiehlt der BFV den Mitgliedsvereinen unsere Angebote, die sich seither einer regen Nachfrage erfreuen. Oftmals wenden sich die Vereine an uns, wenn Homophobie unter ihren zumeist männlichen Spielern offenkundig wird, so dass wir unsere Workshops vor allem mit Jungen ab 14 Jahren abhalten und weniger mit Mädchen oder auch Jüngeren, bei denen Klischees und Vorurteile noch weniger gefestigt sind.

In diesen 90 Minuten haben Jugendliche die Chance, sich mit homophober Diskriminierung im Sport auseinanderzusetzen. Sie können all ihre Fragen an „echte“ Homosexuelle stellen und Redewendungen wie „schwuler Pass“ hinterfragen. Mit Filmausschnitten zum Thema Homosexualität und Fußball knüpfen wir zugleich an ihren Vereinsalltag an. Da unsere Workshops oftmals in der Trainingszeit stattfinden, treffen wir nicht immer auf Motivation. Die Jugendlichen wollen lieber auf den Platz. Dennoch, am Schluss sind sie oft ins Nachdenken gekommen und finden uns sogar „ganz okay“. Meistens ist es ihre erste Begegnung mit offenen Schwulen, und schwule Fußballer kennt niemand.

Dass es sie jedoch gibt, zeigt das „Anonyme Postfach“ auf der Homepage des BFV. Die dort gestellten Fragen zu Homosexualität beantworten wir. „Wie kann ich homophoben Beleidigungen entgegentreten, ohne mich zu outen? Wie kann ich mich outen? Was tue ich bei Mobbing?“ Wir raten vor allem, sich an eine Vertrauensperson zu wenden, schlagen vor, wer in Frage kommen könnte und bieten auch uns für ein persönliches Gespräch
an.

Um für das Thema Homosexualität zu sensibilisieren, führen wir neben der Arbeit in den Vereinen auch Fan-Projekte durch, etwa mit dem Berliner Oberligisten Tennis Borussia oder dem schwul-lesbischen Fanclub „Hertha Junxx“. Denn wenn Sportlerinnen und Sportler sowie Fans sich zu Fairness und sexueller Vielfalt bekennen, kann unser Projekt auch im Sport nachhaltig Wirkung entfalten. Es zeigt sich, wir bringen was ins Rollen und der Fußball – er bewegt sich doch.

Christian Rudolph, Projektmitarbeit “Soccer Sound”

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