Aktionsplan in Nicaragua

Netzwerk für nachhaltige Entwicklung

2007 startete die Hirschfeld-Eddy-Stiftung als eines der erste Projekte die Kooper- ation mit dem nicaraguanischen Red de Desarrollo Sostenible (Netzwerk für nach- haltige Entwicklung, RDS). Wir förderten eine Akzeptanzbroschüre mit dem Titel „El amor merece respeto“ („Liebe verdient Respekt“). Unser Projekt zielte auch auf die Ent- kriminalisierung von Homosexualität.

Das Land hatte 1992 ein solches Verbot im Strafrecht verankert. 2008 wurde der entsprechende § 204 wieder gestrichen. 2011 erarbeitete RDS mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in einem mehrmonatigen Konsultationsprozess die nationale Agenda „Sexuelle Vielfalt und Menschenrechte“. Dieses Projekt lieferte mit seinem betont menschenrechtlichen Ansatz einen wichtigen Beitrag dazu, homosexuellenfeindliche Einstellungen in der nicaraguanischen Gesellschaft aufzubrechen. Die Agenda mit ihren menschenrechtlichen Forderungen erschien in gedruckter Form und wendet sich nicht nur an Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI), sondern auch an Behörden, Menschenrechtsorganisationen und andere zivilgesellschaftliche Gruppen.

Langfristiges Engagement
2011 beantragten wir erneut Mittel im Auswärtigen Amt für ein Folgeprojekt. In dieser zweiten Projektphase geht es um die weitere Auseinandersetzung mit den Themen der Agenda. Bislang fanden in Managua fünf Veranstaltungen statt, bei denen LGBTI-Aktivistinnen und Vertreter von 21 Gruppen aus dem ganzen Land zusammenkamen, um über methodologische und strategische Schritte für die Projektarbeit zu diskutieren. Auch die Themen Fortbildung, Lobbyarbeit, Kommunikation für LGBTI-Organisationen, Allianzenbildung, soziale Mobilisierung und Berichterstattung über Menschenrechte und sexuelle Vielfalt standen im Mittelpunkt der Runden Tische und Workshops.

Die konkreten Ziele des Projektes, das am 01. Dezember 2011 startete und nun bis Ende Dezember 2012 läuft, sind die Umsetzung der 2011 gemeinsam entwickelten Ziele, d.h. Akzeptanzbildung, Homophobieabbau, Diskriminierungsschutz, Sensibilisierungsarbeit, Entwicklung und Weitergabe von Strategien auf lokaler und nationaler Ebene sowie die Entwicklung eines Handbuches für Medien über „Sexuelle Vielfalt und Menschenrechte“.

Alltägliche Herausforderungen
Das RDS und seine Partner sehen sich in der Projektarbeit mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Zum einen haben, so José Ignacio López vom RDS, „die weltweite Finanzkrise sowie der Rückgang des demokratischen Prozesses und die Erosion des Rechtsstaats in Nicaragua dafür gesorgt, dass sich die europäischen Partnerorganisationen von Nicaragua abwenden“. Andererseits sehe man sich massiven Angriffen der verschiedenen Kirchen ausgesetzt. „Insbesondere die römisch-katholische Kirche und verschiedenen Gruppierungen der evangelischen Kirche propagieren offen die Diskriminierung von LGBTI.“ Auch komme es zunehmend zu Hassverbrechen und Menschenrechtsverletzungen an LGBTI nicht nur in Nicaragua, sondern in ganz Lateinamerika.

Informationen über Menschenrechtsverletzungen an LGBTI gelangten zwar über die Medien an die Öffentlichkeit. Dabei komme es aber immer zu einer öffentlichen Zurschaustellung der Opfer, Vorurteile würden bewusst oder unbewusst durch die Medien verbreitet: „Sie berichten über die Wahlen zur Miss Gay, über Vergewaltigungen und Morde. Die Form der Berichterstattung über LGBTI ist voyeuristisch. Nicht selten sind Überschriften wie ‚Schwules Verbrechen aus Leidenschaft’, ‚Er wollte ihr den Mann wegnehmen’ oder ‚Tod der Tigerin’.“

Deshalb ist die medienkritische Arbeit ein Bestandteil des Projektes. Das RDS will zusammen mit Studierenden und Lehrenden an Hochschulen, Fachleuten aus der Medienpraxis sowie Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit in staatlichen Institutionen ein Handbuch für die journalistische Berichterstattung über das Thema Menschenrechte und sexuelle Vielfalt in Nicaragua entwickeln. Ein ambitioniertes Projekt, das laut López bereits Nachahmung in Nicaraguas Nachbarstaaten Honduras, Costa Rica und El Salvador findet.

Klaus Jetz, Hirschfeld-Eddy-Stiftung



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