Hate-No-More

Kampagnenarbeit in Uganda

Szenfuka Warry (Freedom and Roam Uganda) - Foto: Caro KadatzHier in Deutschland können wir uns das Ausmaß des homophoben Hasses nur schwer vorstellen. Dennoch ist er traurige Realität für die Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) in Uganda, und es scheint fast unmöglich, der allgegenwärtigen wie lebensgefährlichen Feindlichkeit etwas entgegenzusetzen. Religiöse Führer warnen vor den angeblichen homosexuellen Rekrutierungsversuchen, Zeitungen outen LGBTI und rufen offen zu ihrer Ermordung auf, Politikerinnen und Politiker gehen mit Homophobie auf Stimmenfang. Die sogenannte „Kill the Gays“-Bill ist trotz internationaler Proteste erneut ins ugandische Parlament eingebracht worden, die bereits bestehende Kriminalisierung von Homosexualität steht kurz vor der Verschärfung.


Kämpfen statt Aufgeben und Schweigen

Kann es angesichts dieser alltäglichen Verfolgung so was wie Hoffnung auf Veränderung in dem kleinen ostafrikanischen Land geben? Für Ssenfuka „Biggie“ Warry ist Aufgeben und Schweigen keine Alternative. Während eines Besuchs hier in Deutschland macht sie das eindrucksvoll und bewegend deutlich. So hatten wir sie sowohl zu einer Veranstaltung der Hirschfeld-Eddy-Stiftung in Berlin als auch zum LSVD-Verbandstag nach Köln eingeladen. Biggie arbeitet bei Freedom and Roam Uganda (FARUG), einem kleinen, 2003 gegründeten Projekt, das um die Menschenrechte von lesbischen, bi- und transsexuellen Frauen sowie Transgender ringt, ihnen Unterstützung anbietet und mit Information und Aufklärung den Kampf gegen Unwissen, Ignoranz und Bösartigkeit aufnimmt. Im August letzten Jahres starteten die Frauen die „Hate-No-More-Kampagne“. Biggie erklärt: „Dieser Hass vergiftet unsere Gesellschaft. Wir werden von unseren Familien abgelehnt, aus unseren Wohnungen, Schulen oder Kirchengemeinden verstoßen. Viele können keinen Schulabschluss und keine Ausbildung machen, bei einem Outing verliert man den Arbeitsplatz. Gegen Mobbing und Gewalt können wir uns nicht wehren, denn wer soll uns helfen?“

„Genug mit dem Hass!“ ist daher die einfache wie klare Botschaft, die auf Postern, Flyern und T-Shirts die ugandische Öffentlichkeit aufrütteln soll. Trauriger Anlass sind die medialen Tötungsaufrufe, die Ermordung des schwulen Aktivisten David Kato aber auch die Selbstmorde verzweifelter LGBTI auch aus dem engeren Umfeld von Biggie. „Viele LGBTI können sich unter keinen Umständen outen. Daher machen wir darauf aufmerksam, dass niemand weiß, gegen wen er oder sie zu homophobem Hass aufruft. Es könnte die eigene Schwester, den Onkel, die Lehrerin, den Nachbarn oder die Ärztin treffen. Vielleicht auch das eigene Kind!“, erklärt Biggie die Botschaft der Kampagne. Auf den Postern findet sich auch die Beratungshotline von FARUG.

Jeder Anruf bestärkt Biggie und ihre Mitstreiterinnen von der Wichtigkeit und dem Erfolg ihrer Arbeit. Manchen können sie so ein wenig Mut mitgeben, ihnen medizinische Hilfe und Beratung zukommen lassen. Hassanrufen begegnen sie mit dem unermüdlichen Verweis auf die bestehenden Menschenrechte. Immer wieder wird behauptet, sie wollten „Kinder und Jugendliche rekrutieren“, also homosexuell machen. Sie hören sich das an und versichern, dass sie lediglich in Frieden und ohne Angst leben wollen. Mit dieser persönlichen Ansprache finden sie Gehör. Es ist eine mühselige Arbeit, die viel Kraft und Mut kostet.

Spenden für FARUG
Ohne Unterstützung steht diese Arbeit vor dem Scheitern. Es fehlt an allen Enden. FARUG benötigt beispielsweise Geld für die Produktion von Materialien, die Ausbildung von Aktivistinnen und die unverzichtbaren Sicherheitsvorkehrungen für das Büro. Biggie und ihre Freundinnen bringen viele Opfer – „Wir müssen uns engagieren. In jeder Revolution gibt es Menschen, die ihr Leben für die Idee geben. Wir müssen das riskieren.“ Die Hirschfeld-Eddy-Stiftung bewundert die Arbeit von FARUG und unterstützt sie seit Anfang des Jahres finanziell. Ein aktueller Spendenaufruf ist gestartet.

Uta Kehr, Hirschfeld-Eddy-Stiftung

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