Lesen ist voll schwul?! – Die Mobile Bibliothek vom LSVD Berlin-Brandenburg

Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender kommen in Schulbüchern zumeist nicht vor! Selbst Lehrkräfte, die keine Berührungsängste mit dem Thema haben und die Auseinandersetzung mit gleich- und transgeschlechtlichen Lebensweisen in ihrem Unterricht fördern wollen, sind dann oftmals hilflos angesichts fehlender Lehrmaterialien.

Die „Mobile Bibliothek“, das neue Projekt des LSVD Berlin-Brandenburg springt hier die Bresche. Als Bestandteil der Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit im Rahmen der Community Gaymes bietet sie seit März die Möglichkeit, Klassensätze von vier Büchern kostenfrei auszuleihen. Mit „Jesús und Muhammed“ von Tim Staffel, „Abel“ von Anneke Scholtens, „Plattenbaugefühle“ von Jannis Plastargias und „Svenja will ein Junge sein“ geschrieben von Luise Holthausen können von nun an Bücher auf dem Stundenplan stehen, die Einblicke in die alltägliche Buntheit des Lebens geben und ungeouteten, geouteten aber auch heterosexuellen Jugendlichen positive und nicht-stereotype Identifikationsfiguren anbieten.

In einer begleitenden Handreichung finden sich Beispiele und Anregungen, wie sich in Gruppendiskussionen und Rollenspielen den Themen Coming-out, erste Liebe, Geschlechterbilder, Anderssein, Mobbing und Gewalt, Familie, Herkunft, Pubertät und Freundschaft weiter angenähert werden kann. Wie verhalte ich mich, wenn ich meine beste Freundin plötzlich beim Küssen mit einem anderen Mädchen sehe? Was würde ich machen, wenn meine Liebe auf Abneigung und Feindschaft trifft? Wie kann ich meinem besten Freund beistehen, wenn der nach seinem Coming-out Probleme der Klasse oder mit seiner Familie hat? Wie würde ich gern leben, unabhängig ob ich nun ein Mädchen oder ein Junge bin? Diese Fragen docken unmittelbar an der Erfahrungswelt der Jugendlichen an und fördern Interesse und Respekt gegenüber unterschiedlichen Lebens- und Liebesentwürfen ohne den erhobenen Zeigefinger. In der Bibliothek finden sich noch elf weitere Bücher in kleineren Auflagen für mögliche Gruppenreferate. Die Schülerinnen und Schüler können sich die vielen Jugendromane und Ratgeber aber auch für Zuhause ausborgen.

Die „Mobile Bibliothek“ trägt dazu bei, dass Schule zu einem Lernort wird, in dem zu Selbstbestimmung und Zivilcourage ermutigt wird und der eine gesellschaftliche Vielfalt des alltäglichen Miteinanders abbildet, in dem lesbische Mütter, schwule beste Freunde, bisexuelle Bekannte und transgeschlechtliche Geschwister selbstverständlich dazugehören. Zwar richtet sich das Angebot bislang nur an Berliner Schulen, doch auch für Lehrpersonal aus anderen Bundesländern dürfte das eine willkommene Inspiration für den eigenen Unterricht sein. Daher finden wir: „Eins, setzen!“

 

Markus Ulrich

LSVD-Pressestelle



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