Einsamkeit, Heimweh und Selbstmordgedanken

Erfahrungen von Geflüchteten aus Nicaragua

Am letzten Tag der Konferenz “Encuentro de personas LGBTIQ+ nicaragüenses migrantes en la región centroamericana y México” in Costa Rica über queere Geflüchtete, berichten die rund 20 Teilnehmenden aus Nicaragua von traumatischen Erlebnissen. Viele haben in Nicaragua im letzten Jahr an Demonstrationen teilgenommen, die von der Polizei brutal aufgelöst wurden. Es gab Tote, viele Verletzte und Verhaftungen. Diese Erfahrungen, als etwa die Polizeikräfte die Universitäten stürmten, haben sie noch nicht verarbeitet. Es fließen Tränen, im Exil fehlt es an allem, auch an psychologischer Unterstützung zur Bewältigung der brutalen Erlebnisse.

Alle Geflüchteten kommen aus Nicaragua, mussten aber nach Guatemala, Honduras und vor allem Costa Rica fliehen. Und alle machen sie die gleichen Erfahrungen: Rassismus, Homophobie und Transphobie, materielle Unsicherheit. Vor allem in Guatemala und Honduras kommen alltägliche Gewalt und Willkür gegen LSBTI hinzu. Immer wieder müssen sie umziehen. Alle berichten übereinstimmend, dass sie in den letzten zwölf Monaten an mindestens acht verschiedenen Orten gewohnt haben. Andere haben ihr Studium unterbrechen müssen, ihre Arbeit verloren.

Viele finden kaum Arbeit, obwohl sie die gleiche Sprache sprechen. Doch die wenigsten wollen Nicaraguaner*innen einstellen, vor allem nicht, wenn sie auch noch der LSBTI-Community angehören. Besonders schwer haben es trans* Personen. Sie flüchten sich in Sexarbeit, erleben wieder Gewalt und Erniedrigungen, werden von der Polizei schikaniert und bedrängt. Hinzu kommen Einsamkeit und Heimweh, sie vermissen ihre Familie, Freund*innen und die vertraute Umgebung.

Die Geflüchteten berichten, dass sie kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Monatelang müssen sie auf Termine warten. Selbst HIV-Positive bekommen keinen Termin, ganz zu schweigen von Medikamenten. „Am besten nicht krank werden“, lautet die Devise. Das kann man sich nicht leisten, denn Medikamente auch gegen Grippe oder Durchfallerkrankungen sind viel zu teuer.

Eine der dringendsten Forderungen an die Aufnahmeländer betrifft also den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Diese muss kostenlos sein, da die Geflüchteten kaum über Mittel verfügen. Die Situation ist für manche so dramatisch, dass Selbstmord für manche der einzige Ausweg zu sein scheint.

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführer



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