Sind nicht alle Familien bunt?

(c) Stefan WernzFortbildungsangebot für Regenbogenkompetenz in der Familienberatung

Fachkräfte in der Familienberatung haben den Anspruch, alle Familien wertschätzend und hilfreich zu unterstützen. Wer LSBTI* Eltern und ihre Kinder wirkungsvoll begleiten will, sollte professionell und möglichst diskriminierungsfrei gerade mit den Themen der sexuellen und geschlechtlichen Identität und der Vielfalt von Familienformen umgehen können.

Das hierzu notwendige Wissen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten, wird Regenbogenkompetenz genannt. Zur Stärkung der Regenbogenkompetenz speziell in der Beratung von Regenbogenfamilien bieten wir das Fortbildungsprogramm „Sind nicht alle Familien bunt?“ an.

Familiäre Herausforderungen im Alltag

Während noch vor 20 Jahren ein lesbisches, schwules oder transgeschlechtliches Coming-out meist gleichbedeutend mit einem Abschied von einem eigenen Kinderwunsch war, gehört eine Familiengründung heute zunehmend unabhängig von der eigenen sexuellen Identität zu einem erfüllenden und sinnstiftenden Lebensentwurf. Studien zeigen etwa, dass jede® zweite Lesbe und Schwule später ihr/sein Leben mit Kindern verbringen will.

Dass Kinder sich in Regenbogenfamilien genauso gut entwickeln wie Kinder, die in Mutter-Vater-Kind-Konstellationen aufwachsen, wissen wir. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Leben als Regenbogenfamilie frei von Herausforderungen ist. Sie umfassen teils klassische familienbezogene Probleme wie etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und erzieherische oder partnerschaftliche Herausforderungen. Hinzu können „regenbogenspezifische“ Probleme und Notwendigkeiten kommen, wie etwa Grauzonen und Hürden bei der Verwirklichung des Kinderwunsches, der Umweg über eine Stiefkind-adoption zur doppelten rechtlichen Absicherung leiblicher Kinder oder das alltägliche Coming-out als Regenbogenfamilie.

In über 60 Schulungen erprobtes Trainingsprogramm

Bei all diesen Aufgaben könnte eine fachkundige Begleitung durch lokale Beratungsstellen eine große Unterstützung sein. So ist es bemerkenswert, dass selbst langjährig berufserfahrene Berater*innen lesbische Mütter, schwule Väter oder trans* Eltern nur sehr selten zu ihren Klient*innen zählen. Mit unserem Fortbildungsangebot „Sind nicht alle Familien bunt?“ geben wir Fachkräften in Beratungseinrichtungen bundesweit Gelegenheit, sich mit den Herausforderungen und Potenzialen von Regenbogenfamilien vertraut zu machen. Hierfür hat das Projektteam ein Trainingsprogramm entwickelt, das in über 60 Schulungen mit annähernd 1.200 Fachkräften erprobt und optimiert werden konnte.

(c) Stefan WernzReflektion der eigenen (unbewussten) Vorurteile

Regenbogenfamilien laden aufgrund ihrer nicht hetero normativen Familienstruktur dazu ein, über verbreitete und vielleicht lieb gewordene Vor stellungen nach zudenken: Über tragfähige Familienformen, Elternrollen und Bedingungen, unter denen Kinder gut aufwachsen oder gut „auf die Welt kommen“. Und wir alle tragen sozialisationsbedingt solche heteronormativen Vorstellungen in uns, und dies unabhängig von der eigenen sexuellen Identität. Auch wenn wir das noch so sehr wollten, wir können uns nicht „per Beschluss“ von ihnen frei machen.

Daher ist es für den Ausbau von Regenbogenkompetenz notwendig, über den reinen Wissenserwerb hinaus, auch den eigenen Gefühlen, Vorurteilen und Werten in Bezug auf Regenbogenfamilien und Geschlechterrollen nachzuspüren, im Wissen um die Relativität eigener Vorstellungen und Wertmaßstäbe.

Wenn Sie und Ihre Beratungsstelle Interesse an einer Fortbildung haben, wenden Sie sich gerne an Dr. Elke Jansen (elke.jansen@lsvd.de)

www.regenbogenkompetenz.de



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