Umpolung“ ächten

Verbot von Konversionstherapien

Durch eine „Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Selbstsorge“ könnten Lesben und Schwule das eigene „heterosexuelle Potential“ entwickeln. Damit ihre „homosexuelle Neigungen“ abnähmen, bräuchte es neben einer geeigneten Therapie „Motivation, Ausdauer, Bereitschaft und Mut, sich den schmerzhaften inneren Konflikten emotional zu stellen“. So steht es in den vom österreichischen Magazin „Falter“ veröffentlichten internen Schulungsunterlagen für Kursleiter von TeenSTAR Österreich – einem Verein, der sexualpädagogische Aufklärungsworkshops für Eltern, Kinder und Schulen anbietet und bei unseren Nachbarn mittlerweile stark in der Kritik steht.

Alte Bekannte

TeenSTAR ist eine internationale, streng konservative Sexualerziehungsbewegung mit missionarischen Tendenzen und hat laut Eigenaussage auch 230 Mitglieder in Deutschland. Der Verein wird hierzulande auch von der Offensive Junge Christen (OJC) unterstützt und hat Verbindungen zur sogenannten „Demo für Alle“ um Hedwig von Beverfoerde. Alte Bekannte.

Aber auch die Deutsche Bischofkonferenz bewirbt das Angebot auf ihrer Webseite www.praevention-bildung.dbk.de.

Bekannt ist, dass TeenSTAR Deutschland Kurse an sächsischen Grundschulen durchgeführt hat. Was genau vermittelt wird, ist (noch) unklar. Die Fraktion der Linken im Sächsischen Landtag fragt nun die Landesregierung zu den Aktivitäten von „TeenSTAR“ in Sachsen.

Schwere gesundheitliche Folgen

Ausgehend von einer Abwertung von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit werden sogenannte „Umpolungs- und Konversionstherapien“ vor allem von religiös-fundamentalistischen Organisationen angeboten. Sie richten sich an Menschen, die ihre eigenen Gefühle oft als Widerspruch zu ihrer religiösen Überzeugung erleben und sich eine Veränderung erhoffen. Statt sie jedoch darin zu bestärken, sich so anzunehmen wie sie sind, werden ihnen weiter Schuld, Selbsthass und Scham eingeimpft. Mit schweren gesundheitlichen Folgen. Wissenschaftliche und medizinische Verbände auf nationaler und internationaler Ebene warnen seit Langem vor diesem Treiben. Gleichwohl findet es nach wie vor in Deutschland statt.

Initiative vom Gesundheitsminister und im Bundesrat

Nicht zuletzt nach einer von über 80.000 Menschen unterzeichneten Petition hat Gesundheitsminister Jens Spahn eine Fachkommission eingerichtet, die Vorschläge für ein wirksames Verbot dieser Therapien erarbeiten soll. Gabriela Lünsmann aus dem LSVD-Bundesvorstand und Hartmut Rus vom LSVD-Netzwerk „Mission Aufklärung“ sind Mitglied. Auch der Bundesrat befasst sich mit diesem Thema. Die Länder Hessen, Berlin, Bremen, Saarland und Schleswig-Holstein haben einen Antrag eingebracht, der sich für ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien ausspricht und die Bundesregierung dazu auffordern würde, umfassende Maßnahmen für eine effektive Ächtung dieser Angebote auf den Weg zu bringen. Der Bundesrat hat dem am 17. Mai 2019 zugestimmt.

Für den LSVD ist ebenfalls klar, dass es für die effektive Ächtung neben einem bloßen Verbot der Bewerbung oder Durchführung solch hanebüchener Angebote ein Maßnahmenpaket braucht.

So darf es etwa keinerlei öffentliche Förderung für Institutionen geben, die solche „Behandlungen“ anbieten oder empfehlen. Ein eventueller Status der Gemeinnützigkeit oder als freier Träger der Jugendhilfe müsste aberkannt werden. Organisationen, die diese Angebote gut heißen, sollten mit Ausschluss aus Wohlfahrtsverbänden rechnen müssen. Vor allem religiöse Autoritäten wie die Deutsche Bischofskonferenz oder die EKD müssen öffentlich vor solchen gefährlichen Pseudo-Therapien warnen. Zudem muss das Thema in die Lehrpläne aufgenommen werden, um gerade Kinder und Jugendliche vor diesen gefährlichen Angeboten zu schützen.

Markus Ulrich
LSVD-Pressesprecher



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