Hat sich die Situation im postrevolutionären Tunesien verschlimmert?

Ramy Khouili berichtet auf dem Verbandstag

Aus Tunesien berichtete Ramy Khouili aus Tunis beim LSVD-Verbandstag. Erst vor kurzem hat er mit der Unterstützung der Hirschfeld-Eddy-Stiftung eine Publikation zur strafrechtlichen Verfolgungsgeschichte von LSBTI in seinem Land vorgelegt. Im Land gebe es vier LSBTI-Organisationen, von denen Mawjoudin in engem Austausch mit der Hirschfeld-Eddy-Stiftung steht und beim Queer-Filmfestival kooperiert.

Im Herbst 2015 seien bei einer Razzia in Kairouan sechs Personen verhaftet und beim Verhör Analuntersuchungen unterzogen worden, bevor sie im Dezember 2015 zu drei Jahren Haft und fünf Jahren Verbannung aus Kairouan verurteilt wurden. Dies sei im postrevolutionären Tunesien kein Einzelfall gewesen. Viele LSBTI seien Opfer der strafrechtlichen Kriminalisierung geworden. Proteste hätten eher zu einer Strafverschärfung beigetragen. Es habe Fälle von persönlichen Racheakten unter Nachbarn und Denunziation unter Berufung auf den homophoben Paragraphen 130 im Strafgesetzbuch gegeben, die ebenfalls zu Haftstrafen von drei Jahren geführt hätten.

Es gibt widersprüchliche Einschätzungen über die Entwicklung der Situation nach der Revolution Es habe seit 2015 mehr Fälle gegeben als vor der Revolution. Deshalb sagten einige, es habe sich nichts verändert oder dass sich die Situation eher noch verschlimmert habe. Andere sehen in Tunesien weiterhin die letzte Hoffnungsstätte des Arabischen Frühlings.

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführer

Fotos: LSVD/ Caro Kadatz

 

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