Staatliche Repression, wachsende zivilgesellschaftliche Unterstützung

Gulya Sultanova vom Side by Side Filmfestival aus St. Petersburg

Zu Gast auf dem LSVD-Verbandstag war auch Gulya Sultanova vom Side by Side Filmfestival in St. Petersburg. Sie berichtete über die aktuelle Situation in Russland. Die staatliche Politik sei homophob und transfeindlich. Zudem seien die Massenmedien zu 80 Prozent in staatlicher Hand. Immer wieder gebe es Verbote von Veranstaltungen und Events. Tiefpunkt sei die Situation in Tschetschenien, das Russian LGBT Network habe Hunderte Opfer evakuiert, viele werden noch immer drangsaliert und von ihren Familien getötet. Auch lesbische und bisexuelle Frauen und transgeschlechtliche Menschen seien betroffen.

Dieser bedrückenden Situationsbeschreibung stellte sie die engagierten zivilgesellschaftlichen Bemühungen gegenüber. Die unabhängigen Medien seien sehr an LSBTI-Themen interessiert, im kulturellen Bereich, auch im Filmwesen, seien LSBTI-Themen fest verankert. Das Publikum sei auch an ausländischen Filmproduktionen sehr interessiert.

Seit drei Jahren ändere sich die Situation allmählich: Oppositionspolitiker*innen thematisierten den Schutz von LSBTI, auch in der Wirtschaft sei ein Umdenken festzustellen, es gebe mehr Bereitschaft zur Unterstützung. Das gelte auch für den NGO-Sektor und die Menschenrechtscommunity. Die seien heute ebenfalls LSBTI-Themen gegenüber viel aufgeschlossener als noch vor einigen Jahren. Die LSBTI-Community selbst sei sehr aktiv, jung und sichtbar. Dennoch würden alle qualitativen Veränderungen nur dann von Erfolg gekrönt sein und für wirkliche Veränderung sorgen, wenn sich das politische System ändere.

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführer

Foto: LSVD/ Caro Kadatz



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