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LSBTI*-Aktivismus in Russland. Bericht des LSVD Hamburg vom Jugend-Austauschprogramm „Rainbow Exchange“ zwischen Hamburg und St. Petersburg — #CivilSocietyCooperation #CivilSocietyCooperation

Banner CSD 2018 © LSVD Hamburg

 

Seit acht Jahren findet zwischen den Partnerstädten Hamburg und St. Petersburg das vom LSVD Hamburg initiierte Jugend-Austauschprogramm „Rainbow Exchange“ statt. Zum Christopher Street Day 2018 haben wir wieder Jugendliche aus St. Petersburg und Hamburg eingeladen, um über Menschenrechte zu diskutieren.

Ist LSBTI*-Aktivismus in Russland überhaupt möglich?“

Dieser und vieler anderer Fragen gingen sieben junge Menschen aus St. Petersburg und Hamburg bei der diesjährigen Jugendbegegnungsmaßnahme Hamburg – St. Petersburg nach. Eine Woche lang (30.07 bis 06.08.2018) wurde ein stattliches Besuchsprogramm durchgeführt, das von den Teilnehmenden gemeinsam erarbeitet worden war.

Umfassende Einblicke in die Arbeit unser Kooperationspartner (Hein & Fiete, Lesbisch-Schwule Filmtage, Magnus Hirschfeld Centrum, Aidshilfe Hamburg) sowie weiterer in der Community agierenden Organisationen und Einrichtungen machten den Teilnehmenden wieder einmal deutlich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen in beiden Ländern sind.

Auch im Hamburger Rathaus wurde mit der Zweiten Bürgermeisterin und Senatorin für Gleichstellung, Katharina Fegebank, sowie den LSBTI*-Vertreter*innen der Hamburgischen Bürgerschaft und zahlreichen Gästen über die Menschenrechtssituation von LSBTI* in Russland und Hamburg diskutiert. Ziel war und ist es, den Kontakt zwischen den Partnerstädten gerade auch innerhalb der der LSBTI*-Community zu stärken und auszubauen.

Fester Bestandteil im Austauschprogramm ist eine gemeinsame Veranstaltung im Pride House, zu der die Community und Interessierte eingeladen werden. Das Format ist in jedem Jahr unterschiedlich (z.B. Podiumsdiskussion, Filmdokumentation u.a.). Im diesem Jahr war es ein Anliegen der russischen Teilnehmenden, ihre Projekte nicht nur verbal, sondern auch visuell mit kurzen Filmen und Präsentationen darzustellen. Im Anschluss konnte das Publikum offene Fragen stellen und miteinander diskutieren.

Der Begrüßungsabend mit den russischen Gästen, eine Stadtrundfahrt mit dem Bus, die Besichtigung der Elbphilharmonie, die Stadtbesichtigung am Abend und der Besuch von LSBTI*- Räumen gehörten ebenso zum Besuchsprogramm.

Am Freitag wurde dann der Infostand auf dem CSD-Straßenfest aufgebaut und nach den Ideen der russischen Aktivist*innen aus St. Petersburg gestaltet. Sie konnten den LSVD-Stand am Freitag und Samstag nutzen, um ihre Materialien auszulegen und in Gesprächen mit Interessierten über das Leben in St. Petersburg zu berichten.

Am Vorabend der CSD-Demonstration fand der 3. Hamburger Dyke* March mit ca. 2.000 Teilnehmenden statt. Auch die russische Gruppe war wieder dabei, um laut, bunt und sichtbar durch die Stadt zu ziehen und für mehr Sichtbarkeit von Lesben* zu demonstrieren. Der Dyke*March ist eine bunte Mischung aus Lesben*, Freund*innen und Allies* aller Orientierungen, Haarlängen, Altersgruppen, Nationalitäten und Befindlichkeiten und eine Plattform, die sie und ihre Interessen und politischen Forderungen präsentiert.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der CSD-Demonstration. Schon am frühen Morgen versammelten sich die Teilnehmenden, um die Vielfalt der Demonstrierenden mitzuerleben und dem Start der Demo entgegen zu fiebern. Gegen 12:00 Uhr setzte sich der Zug mit ca. 80.000 Teilnehmenden in Bewegung – begleitet von ca.100.000 Zuschauer*innen am Straßenrand. Für die russischen Aktivist*innen ist es ein ganz besonders emotionales Erlebnis, wenn sie mit ihrem Banner durch die Stadt ziehen und statt Gewalt durch staatliche Organe und bürgerlichen Mob Applaus vom Publikum am Straßenrand erhalten.

 

Barbara Mansberg & Wolfgang Preussner

Landesvorstand im LSVD Hamburg

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