Die offene Gesellschaft braucht Vorwärtsverteidigung. So können wir alle dazu beitragen, dass diese hässliche Renaissance der Ressentiments eine kurze Epoche bleibt.”

Matthias Janssen, Landesvorstand LSVD HessenRede von Dr. Matthias E. Janssen (Vorstand LSVD Hessen) anlässlich der ‚Demo für Vielfalt und Liebe‘ am 20. Januar 2018 in Frankfurt

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter für eine offene Gesellschaft,

Wir haben uns heute hier versammelt um jeder Form von Hass ein deutliches NEIN entgegenzurufen. Stattdessen sagen wir JA zur Freiheit: zur Freiheit zu glauben, was man will, zur Freiheit zu leben, wo man will, und zur Freiheit, zu lieben, wen man will. Wer die Grundrechte einer Gruppe in der Gesellschaft angreift, der greift uns alle an.

Akzeptieren heißt anerkennen, tolerieren bedeutet nur erdulden, daher fordern wir mit Fug und Recht Akzeptanz. Die angeblich besorgten Eltern, die einen „Gender-Wahn“ beklagen, Pegida-Marschierer und die AfD-Nationalisten, die gegen Flüchtlinge anschreien, die religiösen Fundis aller Art, die uns zur Hölle wünschen, sie alle haben etwas gemeinsam: Sie können die Vorstellung nicht ertragen, dass Lesben, Schwule oder Transgender Menschen die gleiche Würde haben und mit gleichen Rechten ausgestattet sind wie sie selbst. Sie betrachten uns als minderwertig, um sich selber besser zu fühlen.

Wir erleben gerade eine Renaissance des Ressentiments. Das muss uns Grund zur Sorge sein. Aber lasst uns dennoch keine Angst vor ihnen haben. Denn wir haben viel, viel mehr zu bieten als sie: Freiheit statt Unterwerfung, Demokratie statt Fundamentalismus, Vielfalt statt Einfalt.

Wer verbieten möchte, dass Kindern beigebracht wird, dass ALLE Menschen, und damit auch lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen gleichwertig und gleichberechtigt sind, will die heutige Lebensrealität weder akzeptieren noch tolerieren und ist damit mitverantwortlich für Mobbing und Ausgrenzung — auf unseren Schulhöfen und im Job und im alltäglichen  Zusammenleben.

Aber das  werden wir als Lesben- und Schwulenverband gemeinsam mit Euch allen nicht hinnehmen. Wir werden heute hier und in Zukunft deutlich machen, dass ihre Vorstellung einer völkisch-autoritären Gesellschaft aus dem 19. Jahrhundert stammt und in den Mülleimer der Geschichte gehört. Wir setzen dagegen das Angebot einer offenen Gesellschaft. Nur in einer offenen Gesellschaft ist Freiheit erreichbar: Nämlich die Freiheit aller, jederzeit, an jedem Ort ohne Angst verschieden sein zu können. Diskriminierung und Ausgrenzung haben da keinen Platz. Lasst uns gemeinsam streiten für eine vielfältige offene Gesellschaft, in der die Individualität jedes Menschen geachtet und respektiert, AKZEPTIERT, wird.

In letzten Jahr  wurde die Ehe für alle errungen und die Aufhebung der Urteile nach §175. ABER: Die Verteidigung der offenen Gesellschaft kann  nicht heißen, nur den Status quo zu verteidigen. Die Antwort auf all die Hetze und den Hass muss lauten: Jetzt erst recht! Jetzt erst recht endlich gleiche Rechte für alle. Daher fordern wir:

  • einen Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von LSBTI-Feindlichkeit
  • die Ergänzung von Artikel 3, Absatz 3 im Grundgesetz um die Merkmale der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität inklusive einer Gesetzgebung, die eben diese Geschlechtsidentität anerkennt.
  • die rechtliche Anerkennung und Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien
  • eine menschenrechtskonforme Flüchtlings- und Integrationspolitik, die auch die Belange von LSBTI berücksichtigt.
  • ein glaubwürdiges Eintreten für Entkriminalisierung und Akzeptanzförderung von LSBTI weltweit.

Die offene Gesellschaft braucht Vorwärtsverteidigung. So können wir alle dazu beitragen, dass diese hässliche Renaissance der Ressentiments eine kurze Epoche bleibt.

Wer mit seiner Hetze blinden Hass schürt, die Ängste von Menschen aber nicht ernst nimmt, sondern nur für seine Zwecke instrumentalisiert, der wird auf unser aller Widerstand treffen. Mit Euch zusammen, werden wir als LSVD auch weiterhin gegen Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus, Islamfeindlichkeit sowie Homo- und Transphobie kämpfen UND für gleiche Rechte, Vielfalt und RESPEKT und AKZEPTANZ.

Vielen Dank

(Es gilt das gesprochene Wort)

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