„Lasst uns gemeinsam streiten für eine vielfältige Gesellschaft, in der die Individualität jedes Menschen geachtet und respektiert wird. „

Rede von Jenny Renner, LSVD-Bundesvorstand, bei der Demo gegen Hass und Rassismus im Bundestag

Liebe Mitmenschen,

ab dem 24.10.2017 wird eine Partei im Bundestag sitzen, die unberechenbar, radikal und zutiefst homophob und transphob auftritt.

Man darf sich dabei auch nicht von einer lesbischen Spitzenkandidatin täuschen lassen.

Die Abgeordneten dieser Partei wollen  eine autoritäre, antiliberale und völkisch-homogene Gesellschaft zur Leitkultur erheben.  

Sie stehen nicht wie wir für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt. Menschen werden als Menschen zweiter Klasse behandelt, wenn sie mit ihrem Aussehen, Leben und Lieben gegen Vorstellungen verstoßen, wie vermeintlich normale Männer und Frauen zu sein haben. Lesben, Schwule, Bisexuelle, transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen werden abgewertet und beleidigt. Die Partei arbeitet mit Diffamierung und Polemik.

So äußerte Stephan Brandner, neuer AFD Bundestagsabgeordneter in Bezug auf die Rehabilitierung der nach §175 Verurteilten: „Es geht nicht um die Homosexuellen, die verurteilt wurden. In Wirklichkeit geht es einen weiteren Weg zu bereiten in den Regenbogenfamilienirrweg.“

Ihnen Herr Brandner und ihren anderen homophoben Kolleg*innen rufe ich nur zu: Wer Vielfalt bekämpft oder Menschen das Recht auf Familie abspricht, DER ist auf einem Irrweg. Und zwar auf einem Irrweg in die Vergangenheit. Und der wird mit unserer aller Widerstand rechnen müssen.

Die Familien-, Bildungs- und Gleichstellungspolitik der AfD ist ein kaum verhüllter Frontalangriff auf Emanzipationserfolge und gesellschaftliche Liberalisierung. Wer nicht begreift, dass im Jahre 2017 vielfältige Formen des Zusammenlebens, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, gleichberechtigt und gleichbehandelt werden müssen, der denkt an der heutigen Lebensrealität vorbei. Gerade Kinder haben das Recht auf eine Anerkennung ihrer Lebensrealität und auf individuelle Förderung, unabhängig davon, ob ihre Mutter alleinerziehend ist, sie in einer klassischen, Patchwork- oder Regenbogenfamilie aufwachsen.

Die AfD ist gegen die Förderung eines angst- und diskriminierungsfreien Miteinanders an Schulen.

Wer verbieten möchte, dass Kindern beigebracht wird, dass alle Menschen, und damit auch Lesben, Schwule, Bisexuelle, transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen gleichwertig und gleichberechtigt sind, der denkt an der heutigen Lebensrealität vorbei und ist mitverantwortlich für Mobbing und Ausgrenzung.

Und wer unser Antidiskriminierungsgesetz und auch Gleichstellungsbeauftragte abschaffen möchte, der nimmt in Kauf, dass ältere Menschen, Frauen, Menschen mit Behinderung oder anderer Herkunft sowie Religion ohne rechtlichen Schutz auf Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt oder im Arbeitsleben diskriminiert werden dürfen.

Das  werden wir als Lesben- und Schwulenverband gemeinsam mit Ihnen allen und weiteren Verbündeten nicht hinnehmen. Wir werden gemeinsam deutlich machen, dass ihre Vorstellung einer völkisch-autoritären Gesellschaft aus dem 19. Jahrhundert stammt und in den Mülleimer der Geschichte gehört.

Und wir stehen solidarisch mit allen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Antifeminismus, Islamfeindlichkeit sowie Homo- und Transphobie aussprechen und sich für eine vielfältige Gesellschaft engagieren, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben und mit Respekt behandelt werden.

Wer mit seiner Hetze blinden Hass schürt, Geschichtsklitterung betreibt und die Ängste von Menschen nicht ernst nimmt, sondern instrumentalisiert, der wird auf unseren Widerstand treffen.

Gemeinsam mit den Gewerkschaften, engagierte Bürgerinnen und Bürgern, einer aktiven Zivilgesellschaft, Vereinen, Initiativen, demokratischen Politikerinnen und Politiker aller Parteien, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen und unseren Familien werden wir als LSVD auch weiterhin für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt kämpfen.

Und eine letzte, sehr persönliche Anmerkung noch zum Schluss:

Ich bin weder als Frau noch als Lesbe weniger wert als andere Menschen. Und mir ist es egal, welche Herkunft, Religion, Sexualität oder welches Geschlecht jemand hat.

Eine freie Gesellschaft muss allen Menschen garantieren, jederzeit, an jedem Ort, ohne Angst und Anfeindung verschieden zu sein. Diskriminierung und Ausgrenzung schaden dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Lasst uns gemeinsam streiten für eine vielfältige Gesellschaft, in der die Individualität jedes Menschen geachtet und respektiert wird. Davon haben wir alle was.

(Es gilt das gesprochene Wort.)

 

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