Mehr lesbische* Sichtbarkeit

Konstanze Gerhard und Marion Lüttig vom LSVD bei der EL*C (c) Konstanze GerhardBericht von der Europäischen Lesben* Konferenz in Wien

Exakt 502 Teilnehmerinnen aus 45 Ländern kamen zur European Lesbian* Conference (EL*C) vom 5. bis 8. Oktober nach Wien. Die Konferenz stand unter dem Motto: Mehr Sichtbarkeit für lesbische Frauen. Organisiert wurde die EL*C von 18 Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern, die sich während des ILGA-Treffens 2016 auf Zypern zusammen gefunden hatten. Finanziert wurde die Konferenz von unterschiedlichen Sponsor*innen wie der Heinrich Böll Stiftung, ma ma cash, arcus Stiftung, ILGA Europe, Hannchen Mehrzweck Stiftung und der filia Frauenstiftung, um nur einige zu nennen. Die Konferenzsprache war Englisch.

Der LSVD wurde auf der Konferenz durch Konstanze „Konny“ Gerhard und Marion Luettig (Landesvorstand Baden-Württemberg) repräsentiert.

Eröffnungsplenum (c) Konstanze GerhardNach der Eröffnung am Donnerstag Abend durch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Ulrike Lunacek, folgten am Freitag und Samstag vier Workshops-Panels mit ca. 100 Referent*innen. Die Panels unter der Überschrift „act – transform – reflect – connect“ boten zahlreiche lesbische Themen an. Jeweils vier Referentinnen gestalteten einen Workshop. Unter „act“ besuchte ich den Workshop „Digital activism and data on lesbians“ und erfuhr etwas über die Nutzerinnen des spanischen Arbeitsnetzwerks LesWorking , über das schweizerische L-World Wiki, das initiiert von Natalie Raeber die Lesbengeschichte der Schweiz sammelt, über das von Gründerin Bess Hepworth initiierte  internationale LGBTI-Netzwerk Planet Ally und über ein in Frankreich ansässiges Netzwerk namens queercode.net, das französische Lesbengeschichte sammelt. Allen Referent*innen gemein war, dass sie mit viel Herzblut und viel unbezahlter Arbeit ihre Projekte vorantreiben und an der Sichtbarkeit lesbischer Frauen arbeiten.

Ein weiterer Workshop im Panel „transform“ hieß „Journalism and representations: lesbianize the media!“. Mima Simic aus Kroatien schilderte die (schlechte) Situation für Lesben in ihrem Heimatland und die (Nicht-)Repräsentation in den Medien. Sie selbst schaffte es in eine große Zeitschrift, indem sie eine Homestory über sich und ihre Partnerin anbot. Sie meint über sich, „nun wohl die bekannteste Lesbe Kroatiens zu sein“. Moderatorin Alice Coffin, Vorsitzende der Vereinigung lesbischer und schwuler Jounalist*innen in Frankreich und Ketsia Mutumbo voDiskussionswand beim Aufzug (c) Konstanze Gerhardm Feministischen Kollektiv gegen Cybermobbing plädierten für viel mehr internationale digitale Lesbennetzwerke, um lesbische Anliegen voran und in die Öffentlichkeit zu bringen. Die 60 Teilnehmerinnen setzten dies sofort in die Tat um: Unter den Hashtags #EuroLesbianCon und #ELC2017 stehen Hunderte von Twittereinträgen.

Zwischen den Workshops gab es immer wieder auch Veranstaltungen im Plenum, an denen alle teilnehmen konnten. So wurden die Anliegen des Medienworkshops auch dem großen Publikum zugänglich gemacht: Linda Riley (DIVA MAG UK) hielt einen beeindruckenden Vortrag darüber, wie sich das Herausgeben eines Lesbenmagazins wunderbar mit lesbischer Sichtbarkeit in Diversity-Projekten im britischen Arbeitsleben zusammenbringen lässt.

Alle Workshops fanden an einem Veranstaltungsort (Brotfabrik) statt. Das gesamte Gebäude mit seinen 4 Stockwerken gehörte „uns“. Die Organisatorinnen haben sich größte Mühe gegeben, auch die kahlen Wände zu gestalten: Überall gab es Ausstellungen, wenn frau auf den Aufzug wartete, konnte sie mit Post-Its Kommentare zuDemonstration in Wien (c) Konstanze Gerhardr Konferenz abgeben und auf den Innenwänden der Toiletten wurden wir gefragt, was wir z.B. zu „Lesbian Cruising“ denken 🙂

Samstag Abend gab es eine laute und sehr bunte Demonstration. Ca. 350 Teilnehmer*innen zogen – angeführt von einer Trommelgruppe – durch die Wiener Innenstadt zum Stephansdom und skandierten Sprüche auf deutsch und englisch: „Lesben sind überall! – Lesbians are everythere“. Anschließend ging es zur Party in die Volksbühne.

Abschlussbrunch (c) Konstanze GerhardSonntag Morgen fand dann ein Abschlussbrunch im Arcotel statt. Dort wurde die Konferenz gemeinsam ausgewertet, Evaluationsbögen herumgereicht und ausgefüllt und Pläne für die nächste Konferenz in zwei Jahren geschmiedet. Alle waren sich einig: es war eine sehr schöne Konferenz, perfekt organisiert, viele nette Teilnehmerinnen und wir haben viel von- und übereinander gelernt. Das soll fortgesetzt werden. Wo die nächste EL*C stattfinden wird, stand zwar noch nicht fest, aber dass sie stattfinden wird, dafür votierten nahezu alle.

Konstanze Gerhard

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