Gegenhalten – freundlich aber bestimmt

Rechtspopulismus nicht auf den Leim gehen

Unter dem Titel „Dem Rechtspopulismus entgegentreten“ diskutierten am Vorabend des IDAHOT Expert*innen über Erfahrungen mit und Strategien gegen rechtspopulistische Tendenzen in der Gesellschaft. Es handelte sich um eine erste gemeinsame Veranstaltung des LSVD und der VHS Köln, der weitere Kooperationen folgen werden. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Carolina Brauckmann.

Axel Hochrein, LSVD-Bundesvorstand, und die Fachbereichsleiterin Politische Bildung der Volkshochschule Köln, Homaira Mansury, begrüßten die rund 60 Personen, die ins VHS-Forum am Neumarkt gekommen waren. Beide zeigten sich erfreut über die Kooperation, Mansury wies zudem auf weitere gemeinsame Veranstaltungen mit der Hirschfeld-Eddy-Stiftung rund um den diesjährigen CSD in Köln hin.

Micha Schulze (queer.de) lobte eingangs die Bildung neuer Bündnisse, um gemeinsam dem Rechtspopulismus entgegenzutreten. Die Konzeption der Veranstaltung habe ihn überzeugt, deshalb sei er sehr gerne gekommen, auch wenn er eher die Rolle des Chronisten und jahrelangen Beobachters des Agierens rechtspopulistischer Akteure einnehme.

Stefanie Schmidt (LSVD-Bundesvorstand) und Carolin Hesidenz (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln) sprachen von Gegenwind, Radikalisierung und Enthemmung in der Gesellschaft, seitdem die AfD in den Parlamenten vertreten ist. Eine Diskursverschiebung habe stattgefunden, eine Zunahme der Gewalttaten gegen Geflüchtete und deren Einrichtungen sei festzustellen, und Homophobie und Antifeminismus seien im Alltag, etwa an Schulen, sehr viel präsenter als noch vor einigen Jahren.

Waqar Tariq (LIB), Stefanie Schmidt (LSVD-Bundesvorstand), Micha Schulze (queer.de) und Carolina BrauckmannWaqar Tariq vom Liberal-Islamischen Bund (LIB) hob hervor, dass es 2013 mit dem Positionspapier zum Thema Islam und Homosexualität gelungen sei, das Schweigen zu diesem Thema zu durchbrechen. Zwar gebe es kaum Akzeptanz bei anderen konservativen Verbänden zu Positionen des LIB, doch das Bewusstsein für das Thema wurde gestärkt. Der LIB bekomme viele Anfragen von gläubigen LSBTI. Zum IDAHOT habe man eine positive Stellungnahme zur Eheöffnung veröffentlicht sowie die Kampagne „Du+Ich=Wir“ zusammen mit dem LSVD und der Türkischen Gemeinde gestartet.

Micha Schulze sprach von der Angst vor einen roll back in der LSBTI-Community. Die Menschenrechtssituation in der arabischen Welt erzeuge Angst. Deshalb seien viele LSBTI besonders anfällig für rechtspopulistische Thesen. Durchaus selbstkritisch betonte er, die eigene Berichterstattung zum Islam sei negativ, dies färbe ab. Es gelte, auch die Vielfältigkeit des Islam und auch positive Bilder darzustellen.

Carolin Hesidenz betonte, rechtspopulistische Parteien wie Pro Köln hätten die Rechte von Homosexuellen thematisiert, um den Islam anzugreifen. Eine gängige Methode der Rechtspopulismus sei es, Gruppen und Minderheiten gegeneinander auszuspielen. Stefanie Schmidt sprach sich dafür aus, mit Geduld und Gelassenheit das Gespräch zu suchen und auf Augenhöhe selbstbewusst zu diskutieren. Man dürfe den Rechtspopulist*innen nicht auf den Leim gehen. Es gebe keine einfachen Lösungen für komplexe Themen.

Guiod Schäfer (Hirschfeld-Eddy-Stiftung), Stefanie Schmidt (LSVD-Bundesvorstand), Homaira Mansury (Fachbereichsleiterin Politische Bildung der Volkshochschule Köln), Klaus Jetz (LSVD-Geschäftsführer) und Axel Hochrein (LSVD-Bundesvorstand)Waqar Tariq hob die Rolle des islamischen Religionsunterrichtes hervor. Hier sollten auch Liebe und Homosexualität thematisiert werden. Ziel müsse es sein, Menschen als mündige Gläubige zu erziehen und klar zu machen, dass die traditionellen Positionen nicht die einzig wahren sind. Micha Schulze betonte, dass es in allen Religionsgemeinschaften Bündnispartner*innen gebe, die es zu unterstützen gilt. Stefanie Schmidt meinte, es sei wichtig, diejenigen, die in den sozialen Medien den Rechtspopulist*innen widersprechen, zu unterstützen. Sie ermuntert dazu, entsprechende Kommentare zu posten, Gespräche mit Andersdenkenden zu führen und andere Positionen auch auszuhalten. Zudem könne bei Gelegenheit durchaus auch die persönliche Geschichte erzählt werden. Man könne deutlich machen, was jede und jeder davon habe, in einer offenen Gesellschaft zu leben. Das Gespräch sollte sachlich geführt und freundlich beendet werden. Gelassen und souverän eben.

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführung

 

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