„Vier werden Eltern“

wfilm_vierwerdeneltern_frontcoverZwei Paare, die anfangs nur zwei Gemeinsamkeiten haben. Sie leben in Berlin und teilen sich den Wunsch Eltern zu werden und Kinder groß zu ziehen. Sie tun sich zusammen. In „Vier Werden Eltern“ erzählt die Regisseurin Eva Maschke von der Regenbogenfamilie ihres Bruders. Zum vom LSVD unterstützen DVD-Start am 09.12. haben wir Eva Maschke interviewt.

Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Ihr Bruder eine Familie gründen will?

Als ich erfuhr, dass mein Bruder mit dem Gedanken spielt eine Familie zu gründen, war ich überrascht und sehr glücklich zugleich. Tatsächlich war es so, dass ich es vorher oft bedauert habe, dass er auf Grund seiner Homosexualität vermutlich keine Familie haben würde. Denn ich sah ihn immer – und erlebe ihn auch heute noch – als wirklichen Familienmenschen. Ich dachte oft, dass ich es schön finden würde, wenn er eine eigene Familie haben könnte, eine große mit viel Trubel und offenen Türen, so wie wir es von zuhause kennen.

Nach seinem Entschluss, gemeinsam mit seinem Partner und einem lesbischen Paar, eine Familie zu gründen, war ich sehr gespannt, die beiden Frauen zu treffen. Nach einem Kennenlernen war ich erleichtert. Beide Frauen fand ich sympathisch und verbindlich. Und dadurch, dass sich die vier zukünftigen Eltern ausführlich mit dem Thema Familie beschäftigt haben und dazu auch beraten lassen haben, kam mir das Ganze nicht experimentell, sondern gut durchdacht vor.

Natürlich war ich mir bewusst, dass es eine solche Konstellation nicht sehr häufig gibt. Und als Filmemacherin und Schwester zugleich, sah ich eine Riesenchance darin, die vier auf ihrem Weg zu begleiten und hab sie um Erlaubnis gefragt.  Die vier haben sich Bedenkzeit erbeten, ob sie bereit sind, in einem solchen Film in Erscheinung zu treten. Es kam dann sicherlich erleichternd hinzu, dass eine Vertrauensbasis vorhanden war, die man sich ansonsten erst einmal hart erarbeiten muss. So hatte ich das große Glück, dass alle vier entschieden haben, dabei sein zu wollen und mitzumachen. So wurde unser Film erst möglich.

Wie fanden ihre Eltern dass Ihr Bruder eine Familie gründet?

Meine Eltern haben positiv auf die Entscheidung reagiert.  Auch wenn Lucas, der erste Sohn der Familie, nicht das leibliche Kind meines Bruders ist, sehen sie ihn als ihr Enkelkind. Inzwischen gibt es ja mit Helene, sogar ein zweites Enkelkind. Lucas kleine  Schwester hat die Familie komplettiert und alle vier zu leiblichen und zu rechtlichen Eltern gemacht.

Wie ist die rechtliche Situation, Hindernisse? Wie könnte die politische Lösung aussehen?eva-maschke

Es wäre wichtig, wenn auch rechtlich die sozialen Eltern anerkannt würden. Denn bisher sind soziale Eltern rechtlich gesehen praktisch Außenstehende für ihr Kind. In vielen Alltagssituationen, zum Beispiel im Kindergarten, in der Schule oder beim Arzt, können soziale Eltern keine Entscheidungen für ihre sozialen Kinder treffen. Zugleich haben Kinder gegenüber ihren sozialen Eltern keinerlei Rechte wie beispielsweise Unterhalts- oder Erbansprüche. Reicht allerdings das Geld zum Leben nicht aus, werden soziale Eltern bei der Berechnung von staatlicher Unterstützung zu einer Bedarfsgemeinschaft herangezogen. Stirbt ein biologischer Elternteil, ist es für das Kind oftmals schwierig, beim sozialen Elternteil bleiben zu dürfen. Das alles ist ungerecht. Und es zeigt auch, dass die derzeitige rechtliche Situation nicht im Interesse der Kinder ist. 

Mein Bruder musste dieses Jahr, als er zusammen mit seinem Partner und den Kindern in Urlaub fliegen wollte, eine Vollmacht der Mütter bei der Ausreise vorzeigen. Das heißt, selbst wenn die leiblichen Papas mit ihren leiblichen Kindern verreisen, benötigen sie Vollmachten der Mütter. Der Grund: die Kinder haben andere Nachnamen als die Väter. Das alles zeigt, dass die rechtliche Situation nach wie vor auf Vater- Mutter-Kind-Familien ausgerichtet ist. Sie wird der heutigen realen Situation von vielen Familien, wie zum Beispiel Patchwork- oder Regenbogenfamilien, nicht mehr gerecht. Warum gibt es also kein rechtliches Institut, das der elterlichen Mitverantwortung gerecht wird, das die Beziehungen absichert und würdigt und unnötige Hürden und Diskriminierungen abbaut? Da wird es Zeit für eine modernere, zeitgemäßere Familienpolitik. 

Wie geht es der Familie heute?

Die Paare kommen sich durch die emotionale Bindung und die gemeinsame Verantwortung für die Kinder immer näher. So kann man mit den sechs Mitgliedern schon von einer großen Familie sprechen. Mittlerweile haben die beiden Elternpaare neue Wohnungen in der Nähe gefunden, so dass es bald keine weiten Wege mehr geben wird. Das ist im großen Berlin für alle eine erhebliche Erleichterung.

Wie geht es mit dem Film weiter?
 
Am 8. Dezember gibt es noch eine Filmvorführung im Odeon in Köln mit anschließender Diskussion. Ab dem 9. Dezember ist der Film dann auf DVD erhältlich.  Natürlich ist „Vier werden Eltern“ jederzeit für Sondervorführungen buchbar.

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