Ljubljana – Europas grüne Hauptstadt unterm Regenbogen

Axel Hochrein (LSVD-Bundesvorstand), Marta Kos Marko (Botschafterin Sloweniens in Deutschland), Zoran Janković (Bürgermeister von Ljubljana) und Andreas Hochrein-MargeitDie Begrüßung ist herzlich und ungezwungen. Wir sind zu Gast bei Zoran Janković, dem Bürgermeister von Ljubljana, der uns in seinem Amtszimmer empfängt. Begleitet werden wir von der Botschafterin Sloweniens in Deutschland, I.E. Marta Kos Marko.

Jankovic ist seit 2006 im Amt und hat die Mehrheit im Stadtrat hinter sich. Dadurch werden Entscheidungen einfacher, was dem Bild der Stadt in den letzten Jahren sehr gut getan hat. Beim Spaziergang durch die Innenstadt erleben wir nicht nur eine lebhafte Atmosphäre, sondern genießen die vielen verkehrsberuhigten Straßen und schönen Plätze, immer mit Bäumen und Pflanzen unterbrochen. Auffällig auch, wie sauber die Stadt ist. Das liegt wohl auch daran, dass Jankovic nicht nur im Büro sitzt, sondern täglich durch „seine“ Stadt läuft und sich auch nicht zu fein ist, Müll der auf der Straße liegt, aufzuheben.

Für uns von Interesse ist sein Engagement für die LSBTI-Community. Jankovic ist seit 9 Jahren aktiver Schirmherr des CSD von Ljubljana und seit 3 Jahren Schirmherr des Dragon‘s Ball, der zum Abschluss der Pink Week in Ljubljana an verschiedenen prominenten Örtlichkeiten in der Stadt abgehalten wird. Wohl einmalig in Europa ist, dass es im Rathaus ein LSBTI-Café und Bistro gibt, Anlaufstelle für die Community.  Alle städtischen Mitarbeitenden müssen eine Schulung für LSBTI-Themen machen, und erhalten nach erfolgreichem Test ein Zertifikat darüber.Blick vom Burgturm über Ljubljana

Woher kommt sein Einsatz für die schwul-lesbische Minderheit? Zoran Jankovic ist Sohn eines Serben und einer Slowenin und wuchs in ärmlichen Verhältnissen im serbischen Dorf Saraorci auf. Im Alter von 11 Jahren zog er nach Ljubljana und sprach anfangs kein Wort Slowenisch. Am eigen Leib hat er in seinen ersten Jahren in Ljubljana Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren. Herkunft und Sprache machen ihn zum Außenseiter, was ihn nicht aufhält, von 1997 an als erfolgreicher Chef der slowenischen Handelskette Mercator zu wirken und 2005 in die Politik zu wechseln. Die Erfahrung der Ausgrenzung und Diskriminierung hat ihn insofern geprägt, dass er sich dafür einsetzt, dass anderen diese Erfahrung erspart bleibt. „Herkunft, sexuelle Orientierung, Religionszugehörigkeit, Sprache, oder politische Überzeugung sollen für niemanden zur Barriere in der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sein“, ist sein Grundsatz. „Jeder darf seine persönliche Überzeugung haben, aber nur bis zu dem Punkt, wo er die Freiheit des anderen einschränkt oder angreift“, macht er deutlich. Dafür steht er und dafür setzt er sich ein. Die Bürger und Bürgerinnen seiner Stadt scheinen ihm darin, wie auch in anderen Dingen, zu folgen. Ljubljana war die einzige große Stadt, die beim Referendum im Dezember 2015 mehrheitlich für das Gesetz zur Eheöffnung gestimmt hat.

Persönlich nimmt er uns auf einen kurzen Rundgang mit, zeigt den historischen Ratssaal, wo seine Partei die Mehrheit hat, verweist in der Eingangshalle des Rathauses auf das LSBTI-Zertifikat, das an prominenter Stelle hängt. Geht mit uns ins LSBTI-Café, das von zwei Lesben geführt wird. Auch wenn es nur eine Tür weiter im schönen Rathaus ist, wird er auf dem kurzen Weg dorthin gegrüßt und angesprochen von den Menschen. Sie mögen ihn, weil er nicht redet, sondern handelt. Von den drei „Still-Plätzen“ für junge Mütter über die Achtsamkeit, dasLjubljana Prides Ljubljana für Menschen mit Handicap entsprechende Infrastruktur hat, er achtet auf die Kleinigkeiten, die diese Stadt so lebenswert machen.

Am späten Abend sind wir wieder vor dem Rathaus. Vor dem LSBTI-Café ist eine Menschenmenge versammelt, die an Tischen sitzt oder gemütlich herumsteht und auf den Beginn der Drag-Queen Show wartet, bei dem Geld zur Finanzierung des diesjährigen CSD gesammelt wird. Mitten in der Stadt, nicht in die Unsichtbarkeit verbannt und nicht nur von der Community besucht und wahrgenommen.

Wir treffen Simona Mursec, die Leiterin des Organisations-Teams für den CSD, der dieses Jahr am 18. 06. stattfindet. „Der Bürgermeister marschiert immer in der ersten Reihe mit, er nimmt seine Schirmherrschaft sehr aktiv wahr“, bestätigt sie. Auch was die finanzielle Unterstützung für den CSD durch die Stadt betrifft. Die Parade wächst jedes Jahr, ca. 1500 Menschen nehmen an dem Ereignis statt, frei von Zwischenfällen oder Störungen. Der CSD sei eine politische Demonstration und wichtig für die Community. Nicht nur für die Sichtbarkeit in der Stadt, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt in der Community. Für LSBTI, die nicht so „finanzstark“ sind, steht auch kostenloses, veganes Essen bereit. Geschultert und gestemmt wird die Organisation und Ausrichtung ausschließlich von ehrenamtlich Helfenden.

Das alles ist mehr als beeindruckend. Während in deutschen Rathäusern oft noch der Kampf tobt, ob eine Regenbogenflagge zum CSD gehisst wird, ist Ljubljana viel weitLiebesbrücke bei Nachter. Unsere Einladung sein Erfolgs-Rezept für Toleranz und Respekt auch deutschen Bürgermeister_innen vorzustellen, schlägt Zoran Jankovic leider aus. „Ich reise nicht gern“, sagt er, um noch anzufügen „und ich muss in meiner Stadt sein, da fühle ich mich wohl!“

Das Argument müssen wir akzeptieren, schon alleine auch deshalb, weil wir als schwules, Händchen haltendes Paar, beim nächtlichen Bummel durch die herrliche Altstadt uns sicher fühlen und keine Aufmerksamkeit erregen. Beim nächsten Besuch in Ljubljana werden wir allerdings ein Vorhänge-Schloss dabeihaben, dass wir dann zu den vielen anderen an der Liebes-Brücke hängen werden.

Axel Hochrein
LSVD-Bundesvorstand

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