Sich austauschen, voneinander lernen, Teil einer starken Bewegung sein

IMG_4306Begegnungen auf der ILGA-Konferenz Johannesburg

Die afrikanische LSBTI-Bewegung wächst. Sie ist jung, aktiv, voller Tatendrang und Zukunft. Angesichts der versammelten LSBTI-Power in Johannesburg herrscht der Eindruck vor, dass die Dinge auf dem Kontinent eine gute Entwicklung nehmen.

Sako ist 28 Jahre jung und arbeitet für die Organisation Ruban Rouge aus Abidjan, die 1994 gegründet wurde. Ruban Rouge kümmert sich um Menschen mit HIV, betreibt Präventionsarbeit mit MSM und andere Zielgruppen. Die Zusammenarbeit mit den Behörden der Elfenbeinküste laufe gut, insbesondere mit einer Abteilung im Gesundheitsministerium, die sich um die Zielgruppe LSBTI kümmert. Ruban Rouge finanziert sich indirekt über den Global Fund, der Gelder an die Alliance Cote d’Ivoire zwecks Weiterleitung an NGOs auszahlt. Aus Europa fließen keine Gelder, so Sako. Ruban Rouge betreibt in der ivorischen Hauptstadt eine Tagesklinik, in der auch die Büros der Organisation untergebracht sind. Nicht alle Zielgruppen, die sehr stigmatisiert sind, würden erreicht, so Sako, die ivorische Gesellschaft brauche dringend Aufklärung. Probleme gibt es in den Familien und mit den Polizeibehörden. Art. 365 des Strafgesetzbuches kriminalisiert gleichgeschlechtliche Beziehungen und sieht Gefängnis- oder Geldstrafen vor. Sako erhofft sich von der PAI-Konferenz wichtigen Informationsaustausch, er will von anderen lernen und seine Erfahrungen weitergeben.

Abdoulazziz arbeitet für die 1991 gegründete Association African Solidarité in Ouagadougou, Burkina Faso. Die ursprünglich als Umweltorganisation gegründete NGO betreibt seit 1998 das Centre Oasis, dessen Schwerpunkt die HIV-Präventionsarbeit mit MSM ist und das in der Vergangenheit auch aus Großbritannien unterstützt wurde. Das Centre ist Treffpunkt für LSBTI und leistet Sensibilisierungsarbeit und Sexualaufklärung. 2008 wurde im Centre ein Büroraum für LSBTI-Arbeit eingerichtet. Seitdem im Radio gegen das Centre Oasis als „Ort der Homosexuellenpropaganda“ gehetzt wurde, so Abdoulazziz, ist es in ganz Ouagadougou bekannt. Fünf Mitarbeitende kümmern sich in fünf verschiedenen Bezirken der Hauptstadt um MSM, klären in der Zielgruppe auf und leisten Präventionsarbeit. Das Gesetz sage nichts über Homosexualität, so Abdoulazziz. „Unsere Probleme sind andere, die mangelnden Finanzen für unsere Arbeit und die um sich greifende Gewalt gegen LSBT. Viele junge schwule Männer werden von der Familie verstoßen, und wir wissen nicht, wie wir sie unterbringen sollen. Wenn sich niemand findet, der sie aufnimmt, dann landen sie auf der Straße.“ Immer wieder kommt es in der Öffentlichkeit zu Gewalttaten und Beleidigungen. „Unsere Arbeit mit der Polizei fängt gerade erst an“, so Abdoulazziz. „Wir klären sie auf über MSM und versuchen so, der Gewalt etwas entgegenzusetzen. Unterstützt wird die Arbeit zurzeit von Sidaction aus Frankreich, so könne man Büroräume, Mitarbeitende, Kondome und Medizin finanzieren. Abdoulazziz hofft, auf der PAI-Konferenz Kontakte zu Geberorganisationen zu knüpfen, um die Arbeit langfristig finanziell abzusichern. Zudem wolle er sich mit anglophonen Kolleg_innen etwa aus Uganda und Ghana austauschen, um zu erfahren, wie sie ihre Arbeit bewerkstelligen.

Karishma arbeitet für das Trans Network of Liberia in Monrovia. Es wurde 2014 gegründet und problemlos registriert. Dieser Gründungsprozess wurde finanziell vom American Jewish World Service unterstützt. Hauptthemen der NGO sind Vielfalt, gleiche Rechte zwischen den Geschlechtern, Lobbyarbeit, Gesundheitsfragen, Empowerment von Transpersonen und die Dokumentation von Gewalttaten. Zehn Personen engagieren sich ehrenamtlich im Trans Network of Liberia. Die nigerianische Initiative for Equal Rights (TIERS, www.theinitiativeforequalrights.org) unterstützt das Trans Network im Bereich Leadership Training und Trans-Kampagnenarbeit. So konnte in Liberia eine Debatte zu Transrechten angestoßen werden. Karishma regt ein gemeinsames Projekt mit den Kollegen von Queer Youth Uganda an, die ihre Erfahrungen an die junge Organisation in Monrovia weitergeben könnten. Dabei könnten auch Nachbarländer wie Sierra Leone eingebunden werden, es bestehen Kontakte nach Freetown.
Die Hauptprobleme sind die täglichen Übergriffe auf Transpersonen, sie werden geschlagen, bestohlen und beleidigt, sowie die fehlende Finanzierung der Arbeit, seit drei Jahren arbeite man unentgeltlich, über ein eigenes Büro verfüge man nicht, wohl aber über einen Arbeitsplatz in den Räumen der Liberia Initiative for the Promotion of Rights, Identity, Diversity and Equality (LIPRIDE), eines Dachverbandes von 16 Bürgerrechtorganisationen, die mit verschiedenen Zielgruppen zusammenarbeiten. Karishma hofft auf den Austausch mit anderen afrikanischen Transpersonen, auf mehr Sichtbarkeit und dass eine starke afrikanische LSBTI-Bewegung entsteht, sie freut sich, dass sie an deren Aufbau teilnehmen kann.

Klaus Jetz
Hirschfeld-Eddy-Stiftung

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