Inter* in Uganda

Julius Kaganzi KaggwaSupport Initiative for People with Congenital Disorders (SIPD)

Julius Kaganzi Kaggwa ist Direktor der Support Initiative for People with Congenital Disorders (SIPD Uganda), einer ugandischen Inter-Organisation. Zunächst arbeitete er in einer Transorganisation. Doch 2008 wollte er das Schweigen über intergeschlechtliche Menschen in Uganda brechen, und denen eine Stimme geben, die sich nicht von LSBT-Organisationen vertreten fühlen. Julius berichtet von haarsträubenden Vorkommnissen in Uganda: Mütter werden als Hexen aus den Familien und Dörfern verstoßen, weil sie ihre Neugeborenen ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale nicht töten, sondern behalten wollen. Viele traditionell denkende Menschen würden eher ein totes Kind mit nach Hause bringen als ein intergeschlechtliches Kind großzuziehen.

2009 sprach Julius in der Sendung „Untold stories“ im ugandischen Fernsehen über sein Leben. Das war neu. Über LSBTI wurde bis zur Anti Homosexuality Bill in der Öffentlichkeit nicht geredet. Er wuchs als Mädchen auf, spürte aber bald, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Es brauchte drei Selbstmordversuche, bis er sich schließlich mit 20 Jahren selbst akzeptierte. Zweidrittel der Studiogäste applaudierten, machten ihm Mut. Er fand Weggefährt_innen wie Kasha Nabagesera, Viktor Mukasa und den später ermordeten David Kato. Julius war der vorsichtigste von allen, erhielt Unterstützung, durch Feminist_innen, einige Kirchen, und der American Jewish World Service stellte wenige Mittel für Publikationen und Schulungen zur Verfügung.

Julius bezeichnet sich als Christ und Menschenrechtsaktivist und als solcher ist er solidarisch mit seinen LSBT-Freund_innen in ihrem Kampf gegen staatliche und gesellschaftliche religiös motivierte Homophobie und Transphobie. Die Aufklärungsbemühungen müssen verstärkt werden, über Radio und das Kirchennetz, die Priester und Glaubensgemeinschaften müssen überzeugt werden. Über den Umweg Zwischengeschlechtlichkeit kann auch mit den Kirchen über sexuelle Themen und auch Homosexualität gesprochen werden. „Die lehnen sie zwar ab, intergeschlechtliche Kleinkinder aber akzeptieren sie immer häufiger, auch wenn sie vielleicht dafür beten, dass das Kind eines Tages nicht homosexuell wird“, so Julius. „Auch Aufklärung in den Schulen ist wichtig. Es ist erlaubt über die Entwicklung des Körpers, Fortpflanzung und reproduktive Gesundheit zu sprechen, die Schüler_innen fangen dann auch an, Fragen zu stellen über Sexualität und Homosexualität.“

Julius berichtet von drei Mordfällen an Inter* in jüngster Zeit — zwei Neugeborene und ein Jugendlicher, alle wurden von der Familie getötet. SIPD steht in Kontakt mit dem Gesundheitsministerium, anderen Menschenrechtsorganisationen im In- und Ausland und natürlich mit Pan Africa ILGA. Er sei gerne nach Johannesburg gekommen, so Julius. Intergeschlechtlichkeit muss ein Thema sein, und das nicht nur drei Minuten.

Klaus Jetz
Hirschfeld-Eddy-Stiftung

Hintergrund über Inter* in zwölf Ländern, u.a. Uganda und Deutschland in einer Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung: Menschenrechte zwischen den Geschlechtern. Vorstudie zur Lebenssituation von Inter*Personen. Von Dan Christian Ghattas.

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