„Ihr seid meine Motivation. Menschen in aller Welt lieben mich, sie unterstützen meinen Kampf und beraten mich.“

Kasha Nabagesera im LSVD-Interview

Kasha Nabagesera, was bedeutet der Right Livelihood Award für dich und deine Arbeit?

Zunächst ist er eine sehr große Ehre und eine Anerkennung für mich und meine Arbeit. Und dann gibt er mir mehr Schutz und Sicherheit ganz einfach dadurch, dass er die Sichtbarkeit für uns und unsere Arbeit in Uganda und auch international erhöht. Er ist Ansporn für mich, für uns LSBTI in Uganda und Afrika überhaupt, unsere Menschenrechtsarbeit fortzusetzen. Jetzt sind wir Teil eines noch größeren Netzwerks, und ich bin Teil einer wunderbaren Familie von 165 Preisträger_innen und von Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Der Preis ist auch mit finanziellen Ressourcen verbunden, die wir für unsere Projekte dringend brauchen. Ich freue mich auf die Rückkehr nach Uganda und die anstehende Arbeit.

Wie ist zurzeit die Situation von LSBTI in Uganda?

Im Parlament wird im Moment nicht über ein neues Gesetz diskutiert. Allerdings gibt es einen Vorschlag für eine neue Gesetzesinitiative im Kabinett. Das ist aber nicht offiziell, weshalb ich dazu nicht viel sagen kann und die Sache nicht aufbauschen will. Wir stecken aber schon Wahlkampf und das Klima ist aufgeheizt. Es gibt erneut Vorwürfe gegen LSBTI, antihomosexuelle Themen spielen eine Rolle, wir werden schon wieder zu Sündenböcken gemacht. Oppositionelle Kandidat_innen, die uns unterstützt haben, werden auch zur Zielscheibe homophober Kritik im Wahlkampf und in den Medien. Wir müssen also sehr vorsichtig sein und die Sicherheitsmaßnahmen für uns erhöhen. Das gilt für alle Menschenrechtsverteidiger_innen im Land. Sie müssen vorbereitet sein auf das, was in den kommenden drei Monaten alles passieren wird.

Was erwartest du von Deutschland und Europa?

Von den Regierungen erwarte ich, dass sie in Gesprächen mit der ugandischen Regierung auf die Achtung der Menschenrechte drängen und das Bewusstsein für LSBTI und Menschenrechte schärfen. Das gleiche gilt für Parlamentarier_innen, die Kontakt haben zu Mitgliedern des ugandischen Parlamentes. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch im BMZ. Dort wurde mir gesagt, dass Gelder für Projekte zur Unterstützung der ugandischen Zivilgesellschaft zur Verfügung stehen. Die deutsche Regierung hat viel getan, vor allem auch die deutsche Botschaft, die uns regelmäßig einlädt. Es könnte aber noch viel mehr getan werden, indem lokale Organisationen und Initiativen unterstützt würden. Ich arbeite sehr eng mit Flüchtlingen in Kenia zusammen. Dort sind etwa 500 ugandische LSBTI gestrandet. Sie leben dort mit vielen anderen Flüchtlingen in Camps, wo sie Übergriffen ausgesetzt sind. Deshalb wollen wir sie dort rausholen und in Nairobi unterbringen, wo aber Wohnungen, Kleider, Nahrungsmittel, einfach alles sehr teuer ist, so dass viele der Flüchtlinge Sexarbeiter_innen werden. Für die Flüchtlingshilfe brauchen wir Unterstützung. Die Herausforderungen sind riesig. Für uns hat sich das Problem durch die Flüchtenden in Europa eher verschlimmert, weil Europa sich weiter abschotten wird.

Woher nimmst du die Motivation, um weiterzumachen, trotz der großen Gefahr für dich?

Ihr seid meine Motivation. Menschen in aller Welt lieben mich, sie unterstützen meinen Kampf und beraten mich. Daraus ziehe ich sehr viel Kraft und Energie. Und dann habe ich es satt, all die Ungerechtigkeiten zu sehen. Das treibt mich an, dem will ich etwas entgegensetzen. Das und der Ansporn aus aller Welt sind meine Motivation.

Interview geführt von Klaus Jetz
Hirschfeld-Eddy-Stiftung

 

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