Zusammen gegen Homophobie. Gäste aus St. Petersburg beim LSVD Hamburg

Wir brauchen Eure Solidarität. Und wir bieten Euch die unsere! In einer globalisierten Welt sind Russland und Europa ganz schnell sehr nah“, so Igor Kochetkov. Der Vorsitzende der St. Petersburger Organisation „Vyhod“ (russ. für „Coming Out“) besuchte auf Einladung des LSVD-Landesverbands Hamburg zusammen mit fünf weiteren Mitgliedern vom 30.07. ‑07.08.2011 die Hansestadt. Begleitet wurden sie dabei auch von dem bekannten russischen Journalisten und Schriftsteller Valery Panyushkin.

Ziel des Besuchs war es, sich mit hiesigen Fachkräften über mögliche Strategien zur Bekämpfung von Homophobie bei Jugendlichen auszutauschen. Dafür hatten Barbara Mansberg, Wolfgang Preussner und Wanja Kilber vom LSVD Hamburg mit Unterstützung durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Senatskanzlei und die Behörde für Arbeit, Soziales und Integration ein intensives politisches Programm samt Unterbringung in Gastfamilien, Betreuung und Verpflegung organisiert.

In Hamburg angekommen, wurde die Delegation herzlich empfangen und neugierig aufgenommen. Neben der Arbeit des LSVD lernten sie in den neun Tagen auch weitere Hamburger LGBT-Organisationen kennen, wie beispielsweise das Magnus-Hirschfeld-Centrum (MHC), die Vereine Intervention und Hamburg Pride oder den Radiosender Pink Channel.

Einer der Höhepunkte war sicherlich die Podiumsdiskussion in der CSD-Woche über die Lage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Russland sowie die Arbeitsbedingungen von „Coming Out“ in St. Petersburg. Insbesondere die schwierigen Bedingungen, unter denen sie in Russland arbeiten, haben viele im Publikum aufgerüttelt. Angst vor homophober Gewalt, Verweigerung von Mietverträgen oder die drohende Kündigung gehören zu den traurigen alltäglichen Erfahrungen von offen lebenden Schwulen, Lesben und Transsexuellen. Aufklärungsarbeit ist daher immer mit Gefahr verbunden. Zudem muss „Coming Out“ immer damit rechnen, dass ihnen Veranstaltungen in angemieteten Räumen oder angemeldete Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen unter fadenscheinigen Begründungen kurzfristig abgesagt werden. Da Demonstrationen einer Person nicht angemeldet werden müssen, sind sie inzwischen zu der riskanteren Strategie übergegangen, alleine mit einem Schild, auf die Rechte von LGBT aufmerksam zu machen.

Weitere Stationen waren der CSD-Empfang im Hamburger Rathaus, eine Diskussion mit Politikern und Politikerinnen der Hamburger Bürgerschaft sowie die Eröffnung des Hamburger CSDs im Beisein des Bürgermeisters Olaf Scholz und der Senatorin für Justiz und Gleichstellung Jana Schiedek.

Hamburg steht hinter „Coming Out“. Und es gibt bereits erste Ergebnisse: Auf Initiative des LSVD Hamburg soll das neu zu verhandelnde Memorandum der Partnerstädte Hamburg-St. Petersburg zukünftig auch ein Programm gegen Homophobie enthalten. Das wäre das erste Mal in der seit 1957 bestehenden Städtepartnerschaft, das mit der Förderung von Respekt gegenüber LGBTI, neben wirtschaftlichen und kulturellen Themen auch eine politische Forderung zum Thema wird. Der Staatsrat der Behörde für Justiz und Gleichstellung Dr. Ralf Kleindieck und Mitglieder der Fraktionen im Hamburger Rathaus haben dafür ihre Unterstützung zugesagt.

Zudem wird der LSVD Hamburg im September 2011 das von “Vyhod” organisierte QueerCulture Festival in St. Petersburg besuchen. Im Gepäck auch eine Videobotschaft der Senatorin Schiedek mit einem Grußwort für die Eröffnung des Film- und Kulturfestivals. Ein Angebot, das „Coming Out“ gern angenommen hat, denn internationale Aufmerksamkeit bedeutet auch einen gewissen Schutz vor Übergriffen und Repressalien. Für das Festival 2012 plant der LSVD Hamburg dann, eine größere Delegation für die Reise nach Russland zu motivieren.

 

Ein Besuch der viel bewegt hat — auf beiden Seiten. Hier wurde ein Grundstein für die Zusammenarbeit gelegt. Der LSVD wird diese Zusammenarbeit fortsetzen!

 

 

 

 

Uta Schwenke, LSVD-Bundesvorstand



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