Aktivismus auf dem Westbalkan und in der Türkei

Besuchsreise mit 12 Aktivist*innen aus dem ERA-Netzwerk

Auf Einladung des Auswärtigen Amts und der Hirschfeld-Eddy-Stiftung waren im November 2017 12 Aktivist*innen aus dem ERA-Netzwerk, der LGBTI Equal Rights Association for Western Balkans and Turkey, in Berlin zu Gast. Eine Höhepunkt war die Konferenz „Time for Change – Making Promises Reality„.

Shrinking Space in der Türkei

Photo: Caro KadatzWie lässt sich die Menschenrechtsarbeit in der Türkei stärken?

Teil der Besuchsreise von zwölf Aktvist*innen vom Westbalkan und der Türkei war die halbtägige Konferenz „Time for Change – Making Promises Reality“, die am 21.11.2017 im Auswärtigen Amt stattfand. Wie schon bei vorherigen Konferenzen, die wir in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt organisierten, konnten wir auch dieses Mal die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Bärbel Kofler, und Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, als Redner bzw. Panelistin begrüßen.

Teil 1 der Konferenz befasste sich mit den Zuständen in der Türkei. Zunächst liefert Emirhan  C., ein türkischer Aktivist von SPoD Istanbul, hochaktuelle Informationen zur menschenrechtlichen Situation von LSBTI im Land. Er hob hervor, dass der handlungsspielraum für LSBTI-Aktivist*innen in der Türkei im weiter eingeengt wird. So wurden im vergangenen Jahr die Gay Pride Veranstaltungen verboten, die Aktivist*innen als Agenten des Westens denunziert. Kürzlich wurden auf Betreiben der Regierung in der Hauptstadt Ankara sämtliche kulturellen, von LSBTI-Organisationen durchgeführten Aktivitäten mit dem Hinweis auf nationale Werte und moralische Einstellungen der Bevölkerung verboten. Von ihnen könnten Gefahren für sowie Hass und Feindseligkeiten gegen Teile der Bevölkerung ausgehen. Zuvor war am 17.11.17 bereits ein queeres Filmfestival verboten worden, das von der Deutschen Botschaft unterstützt worden war. weiter…

Einfach Weitermachen

(c) Wolfgang PreussnerDelegation des LSVD Hamburg zu Besuch in Sankt Petersburg

Wie fängt man einen Blogbeitrag über ein Land an, in dem für LGBT* aus Menschenrechtsperspektive fast alles schwierig ist? Mit den positiven Eindrücken, denn nur die werden der hiesigen Community gerecht. Die Aktivist*innen in Sankt Petersburg feiern in diesem Jahr ein sehr gut besuchtes Filmfestival. Die Filmvorstellungen des Queeren Side by Side -Festivals (bok o bok) sind nahezu immer ausverkauft. Conchita Wurst konnte als Stargast für die Abschlussveranstaltung gewonnen werden. Für sie sei das, wie sie in Interviews immer wieder klarstellt, eine große Ehre, Teil der „unstoppbaren Bewegung“ zu sein. Vieles macht Hoffnung: weiter…

Impressionen von der Konferenz „Time for Change – Making Promises Reality“ zur Situation von LSBTI auf dem Westbalkan und in der Türkei.

21.11.2017, Berlin, Auswärtiges Amt

Fotos: Caro Kadatz / Hirschfeld Eddy Foundation

LSBTIQ*-Inklusionskonzept: Forderungen an das BMZ aus zivilgesellschaftlicher Sicht

Kommunikation, Dokumentation und Unterstützung

Das Auswärtige Amt (AA) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) planen ein „LGBTIQ*-Inklusionskonzept für die Auswärtige Politik und  Entwicklungszusammenarbeit“ zu erarbeiten. Dies soll mit Beteiligung der Zivilgesellschaft geschehen. Angekündigt am 1. Juni 2017 anlässlich der Konferenz „Time to react“ im Auswärtigen Amt wird damit eine Gründungsforderung der Yogyakarta-Allianz umgesetzt. Hier ein erster Vorschlag für Forderungen an das BMZ. Dieses Forderungspapier an das BMZ soll Diskussionsgrundlage und Anstoß für eine möglichst breite und kritische zivilgesellschaftliche Diskussion sein. Beteiligung mit Stellungnahmen, Positionspapieren oder Kommentaren ist sehr erwünscht. Der Moment ist da! weiter…

„Ein freies, selbstbestimmtes und rechtlich wie gesellschaftlich gleichberechtigtes Leben führen können!“

Rede von Axel Hochrein, Vorstand der Hirschfeld-Eddy-Stiftung auf der Konferenz  “Time for Change – Making Promises Reality The Position of LGBTI in the Western Balkans and Turkey”  21.11.2017, Berlin, Auswärtiges Amt

Axel Hochrein, Board member, Hirschfeld Eddy Foundation - Photo: Caro Kadatz

Sehr geehrter Herr Staatsminister Roth,
Sehr geehrte Frau Koffler,
Liebe Dragana Todorovic,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Menschen zwischen den Geschlechtern,
Liebe Freundinnen und Freunde,

es ist mir eine große Freude, Sie hier, im Lesehof des Auswärtigen Amtes, als Vorstand der Hirschfeld-Eddy-Stiftung – die Mitveranstalter dieser Konferenz ist – begrüßen zu dürfen.

Ich freue mich besonders, dass ich viele Vertreterinnen und Vertreter von LSBTI-Organisationen des West-Balkans und der Türkei, nun auch in Deutschland herzlich willkommen heißen darf, nachdem wir uns im September zur ERA-Konferenz in Podgorica und letzte Woche anlässlich der Konferenz in Slowenien gesehen haben. Die Intensität und Nachhaltigkeit unserer gemeinsamen Arbeit, und des gemeinsamen Austausches sind eine Grundlage für das Erreichen unserer gemeinsamen Ziele, die sich auch im Motto dieser Konferenz wiederfinden. weiter…

Where Love Is Illegal

Ausstellung über LSBTI in Tunesien

Was wäre, wenn Du für Deine Liebe ins Gefängnis kommen könntest? Was, wenn Du Dich vor Deiner Familie verstellen müsstest, weil sie Dich sonst verstoßen würden? Was wäre, wenn du jede Minute damit rechnen müsstest, auf der Straße angegriffen zu werden – wegen Deiner Kleidung, Deines Aussehens? Stell Dir vor, Du darfst nicht leben wie du willst: Wärest Du mutig genug, für Deine Rechte zu kämpfen?

Porträts von tunesischen LSBTI des neuseeländischen Fotografen Robin Hammond sind in der Ausstellung „Where Love Is Illegal“ vom 06.-27. November in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin zu sehen. In dieser Fotoausstellung erzählen Lesben, Schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und queere Menschen aus Tunesien ihre Geschichten. Die Welt soll wissen, dass sie nicht verstummen werden.

Eine Veranstaltung der Hirschfeld-Eddy-Stiftung des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung.

 

„Du förderst Individualität und schaffst es gleichzeitig, das Gefühl für Rücksicht auf Andere zu vermitteln“

Kathrin Schuchardt © Jenny RennerLaudatio von Jenny Renner, Mitglied des LSVD-Bundesvorstands und Sprecherin des LSVD Thüringen, anlässlich der Verleihung des Kommunikationspreis 2017 KAIROS des Landesfrauenrats Thüringen an Kathrin Schuchardt. Auf Vorschlag des LSVD Thüringen wurde Kathrin ausgezeichnet.

Kairos – griechisch – das bedeutet der Zeitpunkt einer günstigen Ent-scheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann.
In der Philosophie bedeutet Kairos als „der entscheidende Augenblick selbst“ klassifiziert.

Liebe Kathrin Schuchardt, oder besser gesagt liebe Schuchi,

als Vertreterin des Lesben- und Schwulenverbandes Thüringen habe ich heute die besondere Ehre, zu begründen, wieso du die diesjährige wunderbare Preisträgerin des KAIROS – Kommunikationspreises des Landesfrauenrates Thüringen bist.

Wie alle hier Anwesenden sicher wissen, soll mit dem Preis ein besonderes Engagement im Interesse von Frauen und gelebter Gleichstellung gewürdigt werden. Und für uns als LSVD Vorstand war ziemlich schnell klar, dass wir der Idee folgen möchten, dich als diesjährige Preisträgerin vorzuschlagen. Ehrlich gesagt, dauerte die Entscheidung nicht mal eine Minute. Erst danach im Gespräch fielen uns immer mehr Gründe ein, dass du genau der richtige Mensch, die richtige Frau für diesen Preis bist. weiter…

Was ist möglich in Russland?

LGBTI-Jugendliche beim Austausch im August 2017 auf der Haseninsel in Sankt Petersburg (c) Ben ReichelSankt Petersburg: Jugendaustausch in Zeiten der Krise

 Aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Hamburg – Sankt Petersburg fand vom 24. bis 28. August 2017 in Sankt Petersburg/Russland ein internationaler Jugendaustausch statt. Während die Jugendlichen aus Hamburg die Stadt und ihre Austauschpartner*innen kennen lernten, rangen die Behörden der beiden Städte im Hintergrund tagelang an einer gemeinsamen Erklärung. Die Zivilgesellschaft in Deutschland hat es geschafft, dass LGBTI auch durch staatliche Förderungen gegen Diskriminierungen geschützt werden sollen – in der Russischen Förderation dagegen ist das „Propagieren von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen“ verboten, wenn Jugendliche davon Kenntnis nehmen können. Eine kritische Zivilgesellschaft ist allgemein nicht gewünscht. weiter…

„Lasst uns gemeinsam streiten für eine vielfältige Gesellschaft, in der die Individualität jedes Menschen geachtet und respektiert wird. „

Rede von Jenny Renner, LSVD-Bundesvorstand, bei der Demo gegen Hass und Rassismus im Bundestag

Liebe Mitmenschen,

ab dem 24.10.2017 wird eine Partei im Bundestag sitzen, die unberechenbar, radikal und zutiefst homophob und transphob auftritt.

Man darf sich dabei auch nicht von einer lesbischen Spitzenkandidatin täuschen lassen.

Die Abgeordneten dieser Partei wollen  eine autoritäre, antiliberale und völkisch-homogene Gesellschaft zur Leitkultur erheben.  

Sie stehen nicht wie wir für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt. Menschen werden als Menschen zweiter Klasse behandelt, wenn sie mit ihrem Aussehen, Leben und Lieben gegen Vorstellungen verstoßen, wie vermeintlich normale Männer und Frauen zu sein haben. Lesben, Schwule, Bisexuelle, transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen werden abgewertet und beleidigt. Die Partei arbeitet mit Diffamierung und Polemik. weiter…