LSBTI in Südafrika – Von der Verfassung geschützt, im Alltag diskriminiert

Wir dokumentieren den Vortrag von Dr. Ben Khumalo-Seegelken, gehalten am 23. November 2016 im Berliner Afrikahaus im Rahmen der Veranstaltungsreihe Crossings & Alliances der Hirschfeld-Eddy-Stiftung in Kooperation mit dem Afrikahaus. Das anschließende Gespräch wurde von Tsepo Bollwinkel moderiert.

Einladung zur Veranstaltung hier

Vortrag zum Download (pdf)

Afrikahaus Berlin 2016Die Menschen Südafrikas haben schon bei den Verhandlungen im Übergang vom Unrechtstaat der Apartheid zur rechtstaatlichen Demokratie um das Jahr 1990 Weichen gestellt und den Grund dafür gelegt, endlich und dauerhaft auf dem Fundament versöhnlicher Mitmenschlichkeit leben zu können. Buchstabe und Geist der 1996 verabschiedeten südafrikanischen Verfassung – weltweit  die erste Verfassung, die in der »Gleichheitsklausel« (Artikel 9) die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung [und der Geschlechtsidentität][1] ausdrücklich verbietet –  atmen diesen Leitgedanken gegenseitigen Respekts, „ubuNtu“, und gleichberechtigter Vielfalt.

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„Die deutliche Mehrheit der Bevölkerung positioniert sich noch deutlicher als zuvor für eine offene, liberale, tolerante und plurale Gesellschaft.“

fes-mitte-studie-coverLSVD-Interview mit Prof. Dr. Beate Küpper (Hochschule Niederrhein). Sie ist Mitautorin von „Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände“. Die neue Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu rechtsextremen und menschenfeindlichen Einstellungen in Deutschland (FES-Mitte-Studie) ist im November 2016 erschienen.

Was sind die sogenannten Mitte-Studien?

Die Mitte Studien untersuchen rechtsextreme Einstellungen in Deutschland. Begonnen haben damit die Kollegen Elmar Brähler und Oliver Decker von der Universität Leipzig im Jahr 2002. Ab 2006 ist dann die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) mit der Förderung eingestiegen. Seitdem heißt die Studie auch „Mitte-Studie“.

Parallel und unabhängig davon hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlicher unter Leitung von Wilhelm Heitmeyer am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld die Studie zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit durchgeführt. Hier haben wir über zehn Jahre lang abwertende und ausgrenzende Einstellungen – also Vorurteile – gegen eine ganze Reihe sozialer Gruppen untersucht, z.B. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Homophobie.    weiter…

„SUPAY“ – ein Film über lesbisches Leben in Peru

Supay PlakatInterview mit der Regisseurin Sonia Ortiz zum Film und zur Kickstarterkampagne

Worum geht es in Film?

SUPAY“ erzählt die Geschichte des lesbischen Paares Valya und Paz in Peru, das in einem homophoben Umfeld um seine Liebe kämpfen muss. Nach einem Jahr unschuldig in Haft macht sich Valya auf die Suche nach Paz, die inzwischen eine Scheinehe eingehen musste, um die Wogen zu glätten. Sie fliehen gemeinsam in die Anden, wo sie eine drastische Entscheidung treffen. weiter…

Ein riesiges Problem

Positiver DialogPositiver Dialog – HIV-Prävention in St. Petersburg

In Russland ist nicht nur ein positives Sprechen über Lesben, Schwule, bisexuelle, trans*- und intergeschlechtliche Menschen illegalisiert. Obwohl Sex offiziell ab 16 Jahren erlaubt ist, ist jegliche Sexualaufklärung mit unter 18jährigen verboten. Ausnahmen gibt es nur auf Antrag und muss jährlich erneuert werden. So haben in der fünf Millionenstadt St. Petersburg gerade einmal zwei (!) Menschen die Erlaubnis, auch mit über 15jährigen über Sexualität zu sprechen. Eine der beiden sitzt in den Räumen der Initiative Positiver Dialog vor uns. Sie ist Ärztin und Universitätsprofessorin, die folglich kaum dazu kommt, diese Erlaubnis auch zu nutzen.

Tabuisierung und Verbot, keine staatlichen Gelder für HIV-Prävention, fehlende Therapiebereitschaft bzw. kein Zugang zu medizinischer Behandlung – all das führt dazu, dass in Russland HIV und AIDS zu einem riesigen Problem geworden sind. Die meisten der internationalen Geldgeber für HIV-Prävention haben aufgrund der staatlichen Schikanen das Land verlassen. Nur der Global Fund ist noch geblieben, unterstützt zivilgesellschaftliche Präventionsstrategien in fünf Regionen. Ganz Russland besteht aus 83 bzw. 85 Regionen, wenn man die Republik Krim und Sewastopol mitrechnet. „Familiäre Werte“ und lebenslange Treue sind die Präventionsstrategie von offizieller Seite, nicht zuletzt Ergebnis des christlich-orthodoxen Einflusses auf die Gesetzgebung. Zudem gibt es eine sogenannte Bewegung der AIDS-Dissident*innen – die Existenz von HIV wird einfach geleugnet, selbst von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen und Hausärzt*innen. Mittlerweile gab es erste Verurteilungen wegen dieser Ignoranz, aber kein offizielles Verbot. weiter…

„Ich hab keine Angst mehr, über mein Kind zu sprechen.“

Elternclub St. PetersburgDer Elternclub in St. Petersburg

Vier Frauen sitzen vor uns auf dem Sofa und erzählen von ihren lesbischen Töchtern und schwulen Söhnen. Wir, eine deutsche Delegation aus Hamburg und Berlin, sind zu Gast beim Elternclub der Initiative Vychod („Coming-out“) in St. Petersburg, hören gebannt zu und sind gerührt und beeindruckt von dem Engagement der Mütter.

Rückblick: Das LGBTI-Filmfestival Side By Side zeigt 2010 den US-Film „Prayers for Bobby“. Der Film handelt von der wahren Geschichte des jungen schwulen Mann Bobby Griffith. Er nimmt sich das Leben, aufgrund der religiösen Intoleranz seiner Mutter und seines Umfeldes. Zu spät für ihn überwindet seine Mutter ihre homophob-religiösen Dogmen und wird erst nach dem Selbstmord ihres Sohnes eine Aktivistin für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt. Im Publikum sitzen auch sechs Mütter, die nach der Diskussion beschließen, sich monatlich zu treffen. weiter…

Für Vielfalt und Respekt

LGBT Initiativgruppe Coming-out„Coming-out“ in St. Petersburg

Drei kleine Räume im Ligovsky Prospekt – hier sitzt „Vychod“ (Coming-out), eine der bekanntesten Initiativen für Lesben, Schwule, bisexuelle, trans*- und intergeschlechtliche Menschen im russischen St. Petersburg. 2008 gegründet, knapp 16 Jahre nach der Entkriminalisierung von Homosexualität in Russland, arbeitet das junge Team in mehreren verschiedenen Programmen – wie uns Alfred, Johnny, Polina und Kris erzählen. Wir – das sind zehn Aktivist*innen aus Hamburg und Berlin, die im Rahmen eines gemeinsamen Projekts vom LSVD Hamburg, Coming-out, dem Sidy-by-side-Filmfestival und der Initiative Action eine Woche in St. Petersburg sind, um verschiedene Projekte zu besuchen. Im August war eine russische Delegation in Hamburg. Unterstützt wird das Austauschprogramm vor dem Hintergrund der Städtepartnerschaft mit der zweitgrößten russischen Stadt von der Stadt Hamburg, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und 2016 erstmalig auch vom Auswärtigen Amt. weiter…

Side By Side

IX. LGBT-Filmfestival in St. Petersburg

Faszinierende Filme, spannende Diskussionen, interessante Menschen – vom 17.-26. November 2016 fand im russischen St. Petersburg bereits zum 9. Mal das BokOBok-Filmfestival statt. Auf Einladung des LSVD Hamburgs und mit Unterstützung durch die Freie und Hansetsadt Hamburg, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch sowie dem Auswärtigen Amt konnte eine zehnköpfige Delegation aus Deutschland während ihres Aufenthalts in St. Petersburg auch an der Eröffnung des Filmfestivals teilnehmen.

Spendenaufruf für SideBySide „Unterstützt das einzige LGBT-Filmfestival in Russland“

Homepage von BokOBok / SideBySide

„Human Rights are neither about some people, nor many nor most people… No! Human rights are about all human beings!“

Bärbel Kofler, Menschenrechtsbeauftragte der BundesregierungKosovokonferenz 2016 „Why Laws Are Not enough: Towards social inclusion and equality of LGBTI persons in the Western Balkans and Turkey“: Dokumentation der Rede von Dr. Bärbel Kofler, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe

Ladies and Gentlements, dear ERA member organizations!

Only three weeks ago, I attended the United Nations General Assembly LGBT Core Group meeting, where global leaders discussed progress towards LGBT Equality, there I had the privilege to see activist Caleb Orozco from Belize. Hearing the story about how he managed to overturn the sodomy-laws in Belize by showing the court that these laws violated the principles of equality, dignity and personal privacy deeply impressed me. However, Orozco also talked about the backlash he experienced during and after this immense victory for LGBTI rights: Being in the eye of media and public attention, he was confronted not only with social exclusion, verbal abuse, but also death threats. Hearing this part of the success story made me realize once more that the fight for equality is far from over. weiter…

Queere Kämpfe auf Nordzypern

Türkischen Republik Nordzypern überlebte das homophobe Strafrecht bis Anfang 2014#IENicosia2016 – Aktivist*innen berichteten auf der ILGA-Konferenz

An der ILGA Europa-Konferenz in Nikosia nahmen auch einige Aktivist*innen aus Nordzypern teil. Zudem gab es in der UN-Pufferzone ein Gespräch mit vier Vertreter*innen der 2015 gegründeten Organisation Envision Diversity. Sie berichteten ausführlich über die Situation von LSBTI im türkisch besetzten Nordteil der Insel.

Als Zypern 1878 britische Kolonie wurde, bescherte dies der Insel auch das viktorianische Strafrecht. Männliche Homosexualität wurde seither mit Haftstrafen von bis zu sieben Jahren geahndet. In der Türkischen Republik Nordzypern überlebte das homophobe Strafrecht bis Anfang 2014, erst seit knapp drei Jahren ist dort die homosexuelle Liebe nicht mehr strafbar. Dafür hatte neben internationalem Druck auch die Arbeit der 2007 gegründeten Initiative gegen Homophobie HOKI gesorgt, die sich seit 2012 Queer Cyprus nennt. weiter…

„Ich habe keine Lust darauf, mich nicht wie jedes andere Pärchen in der Stadt Hand in Hand laufend, zeigen zu können, nur weil ich eine Frau liebe.“

Jenny Renner als Rednerin auf den JIKTalks 2016Unter dem Titel „Wer ist dieser Deutschland“ fanden am 22. Oktober in Berlin die JIKTalks2016 der Jungen Islamkonferenz statt. Eingeladen als Rednerin war auch Jenny Renner, Sprecherin des LSVD Thüringen und vertretung von LSBTI im ZDF-Fernsehrat. Wir dokumentieren ihre Rede.

Mein Name ist Jenny Renner, ich bin 33 Jahre alt und eine lesbische Aktivistin.

Ich engagiere mich für die Rechte von Lesben, Schwulen, bisexuellen, transsexuellen und intersexuellen Menschen. Außerdem engagiere ich mich für die Rechte von Geflüchteten, Juden, Muslimen, Christen, armen Menschen, dicken Menschen, Frauen, Kindern…also allen, die in unserer Gesellschaft irgendwie ausgegrenzt, diskriminiert und teilweise auch körperlich verletzt werden.

Als ich die Anfrage erhielt, hier mit euch zu sprechen, war ich ehrlich gesagt, sehr glücklich! Denn ich denke, nur wenn wir miteinander sprechen, uns kennenlernen, austauschen, können wir auch behaupten, wir haben uns zu einem bestimmten Thema miteinander auseinandergesetzt und beide Seiten haben Dinge dadurch von einer anderen Perspektive betrachtet, einiges besser verstanden und gelernt. Ich habe keine Lust auf Verallgemeinerungen und Ausgrenzung, weder euch gegenüber, noch mir gegenüber, deswegen möchte ich euch einfach mal auf eine Reise mit in meine Welt nehmen und gerne danach mit euch darüber ins Gespräch kommen. weiter…